Kirche + Welt Internet Ausgabe

Kirche und Welt - Nr. 03/2008 März - 11.03.2008   Zurück zur Übersicht   Kirche und Welt abonnieren

Das verschärfte Asylgesetz zeigt Wirkung

Überraschend nah

Seit 1.1.2008 ist das verschärfte Asylgesetz in der Schweiz in Kraft. Abgelehnte Asylbewerber erhalten demnach statt Sozialhilfe nur noch Nothilfe, das heisst ein Bett in einer Asylunterkunft und 10 Franken täglich zum Leben. Die Teilnahme an Deutschkursen und Beschäftigungsprogrammen ist untersagt, unselbständiges Arbeiten weiterhin verboten. Aufgerüttelt durch einen Artikel im Beobachter (23/2007) stellte Frank Fischer fest, dass in seiner nächsten Umgebung eine Familie von der Verschärfung betroffen ist.

Von Frank Fischer

Alfonso Matukuta stammt aus Angola, lernte dort Maschinenmechaniker und ging 1989 nach Russland, um Mechanik am technologischen Institut in Moskau zu studieren. Dort lernte er auch seine heutige Frau Tea, eine Georgierin, kennen. 1997 flüchtete er mit ihr in die Schweiz. In Embrach fand er zur EMK und wurde 1998 Mitglied. Seit 2000 besucht er die EMK Affoltern am Albis, wo er auch mit seiner Frau und seinen drei in der Schweiz geborenen Kindern lebt.

Hilfe die Not macht
Alfonsos Asylantrag wurde mehrfach abgelehnt. Eine Ausschaffung war aber nicht möglich, da weder Georgien noch Angola die Familie zurücknimmt. In solchen Fällen soll seit 1.1.2008 die „Nothilfe“ greifen. Sie verunmöglicht ein menschenwürdiges Dasein. Der dadurch entstehende Druck soll die Betroffenen dazu bringen, das Land zu verlassen, egal wohin. Reicht dieser Druck nicht aus, wird er durch "Zwangsmassnahmen" erhöht: Haft bis zu zwei Jahren.

Göttliches Licht
Aufgrund seines Asylstatus durfte Alfonso in der Schweiz nicht arbeiten. Immerhin konnte er letztes Jahr eine Lehre als Polymechaniker starten, um so einen in der Schweiz anerkannten Abschluss zu bekommen. Zudem versucht er sich selbstständig zu machen. Er gründete eine Einzelfirma und richtete sich im Untergeschoss einer Werkstatt mit den für die Metallbearbeitung nötigen Maschinen ein.
Alfonsos erste Idee war ein Kerzenständer, der das bekannte Methodistische Kreuz dreidimensional als Kugel darstellt und um eine vierte Dimension erweitert: die Kerzen darin, deren Licht für Alfonso Matukuta die göttliche Wahrheit in die Welt bringt. (Siehe Bild am Ende des Artikels.) Neben diesem Objekt hat Alfonso auch andere kleinere Produkte gefertigt, die auf seiner Website zu sehen sind.

Ein Hoffnungsschimmer
Die Situation dieser Familie zeigt die Auswirkungen unserer Gesetze auf. Die Familie hat noch eine Chance: das Gesetz sieht eine "Härtefallregelung" vor. Demnach können Personen, die länger als fünf Jahre in der Schweiz leben, einen B-Ausweis erhalten, wenn sie einen guten Leumund haben, nie strafffällig wurden, integriert sind und über gültige Dokumente verfügen. Die Entscheidung über die Anerkennung als Härtefall treffen die Kantone. Bisher wurden laut Beobachter (23/2007) erst fünf Härtefälle im Kanton Zürich anerkannt – aber ich hoffe sehr, dass die Familie Matukuta bald auch dazugehören wird.

Links:

Matukuta Mechanische Werkstatt



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