Kirche + Welt Internet Ausgabe

Kirche und Welt - Nr. 04/2008 Juni - 11.06.2008   Zurück zur Übersicht   Kirche und Welt abonnieren

Eindrücke von der Generalkonferenz in Fort Worth (Texas)

Wie Gott in der Vielfalt wirkt und redet

Als Delegierte nahmen Stefan Ilg und Marc Nussbaumer vom 23. April bis zum 02. Mai an der Generalkonferenz der United Methodist Church teil, die in Fort Worth (Texas) tagte. Sie geben Anteil an der Fülle der Eindrücke und wie vielfältig Gottes Gegenwart darin erfahrbar wurde.

von Stefan Ilg und Marc Nussbaumer

Die Generalkonferenz ist eine Riesensache: Schon nur die Arena des Convention-Centers, so gross wie das Hallenstadion Zürich, beeindruckte als Versammlungsort. Emotional konnte man von Freude im Lobpreis bis zu tiefer Traurigkeit bei Entscheiden und drängender Ungeduld beim Warten auf die nächste Abstimmung alles erleben. Bereichernd war die Arbeit in den unzähligen Arbeitsgruppen, wo sorgfältig aufeinander gehört wurde und gemeinsame Lösungen gesucht wurden. Die Aufforderung zu "holy conferencing" (heiligem Konferieren) wurde aufgenommen und umgesetzt.

Sitzung und Feier
In den Plenumssitzungen beeindruckte immer wieder, wie die Bischöfinnen und Bischöfe weitsichtig, sorgfältig und humorvoll die Arbeit geleitet haben. Das parlamentarische Verfahren mit seinen Komplikationen verwirrte manchmal auch langjährige Generalkonferenz-Teilnehmer.
Jeden Morgen setzten die Gottesdienste den Ton für den Tag. Mit den vielen künstlerischen Elementen (Musik, Lieder, Tanz, Videoeinspielungen, Altardekorationen usw.) wurden die Gottesdienste zu eindrücklichen Feiern. Die vielen verschiedenen Chöre, die jeden Tag gesungen haben, zeigten wie bunt die Welt ist. Vom African's Children Choir, der mit seiner spontanen fröhlichen Art, die Herzen der Konferenzteilnehmer bewegte wie kein anderer Chor, über die Gospelchöre mit Afroamerikanern, deren gewaltigen Stimmen noch immer nachklingen, über die klassischen Gemeindechöre bis hin zum Chor der Tongans von den Pacific Islands.
In ihren Predigten haben die Bischöfinnen und Bischöfe die Menschen stark angesprochen und bewegt. Immer wieder wurde an verschiedenen Themen aufgezeigt, wie die drei Grundhaltungen, die John Wesley betont hat, angewendet werden können: Füge keinen Schaden zu. Tue Gutes. Bleibe in Liebe mit Gott verbunden.

Spannungen und Fortschritte
Bewegt hat auch, wie mit den extrem unterschiedlichen Haltungen zum Themenkreis Homosexualität umgegangen wurde. In den Untergruppen wurde sehr sorgfältig aufeinander gehört und dadurch wurde es möglich einen Text zu erarbeiten, in dem die aktuelle Situation beschrieben werden konnte: Wir stehen dazu, dass wir als Kirche zur Zeit gegensätzliche Meinungen und Haltungen einnehmen. Auf beiden Seiten gibt es aufrichtiges Bemühen um biblisches und christliches Verständnis, das aber zu diametral entgegengesetzten Positionen führt. Im Plenum hatte dann dieser Textvorschlag keine Mehrheit und die Generalkonferenz hielt an der bisherigen Position fest, dass Homosexualität nicht mit der christlichen Lehre vereinbar ist und dass darum die Wege zum ordinierten Dienst für schwule und lesbische Mitmenschen nicht offen sind.
Dieses Ergebnis führte dazu, dass schwule und lesbische Menschen und mit ihnen auch Angehörige und Freunde in stillen Protestaktionen vor dem Convention-Center und in einer nachdenklichen Meditation in der Arena ihren Schmerz und ihre Ausgrenzung ausdrückten. Die Bischöfe haben deutlich gemacht, dass sie auch für diese Menschen da sind und darum das Gespräch suchen und in "holy conferencing" weiter aufeinander hören wollen.
In den unüberbrückbar scheinenden Spannungen wurde von fast allen stets ein achtsamer und sorgfältiger Umgang miteinander gepflegt. Das ist ein Fortschritt zu früheren Auseinandersetzungen bei diesem Thema.

Schwerpuntke und Vielfalt
Wiederholt wurden die vier Hauptthemenfelder betont, in denen die United Methodist Church in den nächsten vier Jahren arbeiten will:
- Leiterinnen und Leiter ausbilden
- Neue Gemeinden gründen und bisherige Gemeinden erneuern
- Armut verringern in Zusammenarbeit mit Betroffenen
- Gesundheit fördern durch den Einsatz gegen die tödlichen Krankheiten Malaria, Tuberkulose und Aids
Einen nachhaltigen Eindruck hinterliess auch die Hilfsbereitschaft der unzähligen freiwilligen Helferinnen und Helfern, die stets hielten, was sie auf dem Rücken ihrer Jacken versprachen: "I can help" (Ich kann helfen).
Was bleibt nach diesen 10 Tagen? Was nehmen wir mit in die Schweiz? Das Bild einer bunten Menschenmenge mit Menschen aller Hautfarben aus so vielen verschiedenen Regionen der Welt und die Erfahrungen, wie in dieser Vielfalt Gott wirkt und redet.

Links:

Litanei zum Sozialen Bekenntnis (deutsch)

Generalkonferenz 2008



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