Kirche + Welt Internet Ausgabe

Kirche und Welt - Nr. 04/2008 April - 11.04.2008   Zurück zur Übersicht   Kirche und Welt abonnieren

Die Generalkonferenz der EMK vom 23. April bis 2. Mai in Fort Worth, Texas

Eine Zukunft mit Hoffnung

Die Evangelisch-methodistische Kirche wächst, Jahr um Jahr. Im letzten Jahr ging die Meldung durch die kirchliche Presse, dass die Zahl der Mitglieder in den USA unter 8 Millionen gefallen sei. Auch in den meisten Ländern Westeuropas nimmt die Mitgliederzahl ab, sogar noch stärker als in den USA. Doch in anderen Teilen der Welt nimmt sie zu.

Von Bischof Patrick Streiff

Wenn Delegierte aus den Jährlichen Konferenzen alle vier Jahre zur weltweiten Generalkonferenz zusammenkommen, sind es immer knapp unter tausend Personen. Doch der Anteil der Delegierten von ausserhalb der USA nimmt zu. Bei meiner ersten Generalkonferenz vor 12 Jahren waren es rund 140 Delegierte, 2008 werden es mehr als doppelt so viele sein. Erste Hochrechnungen sehen voraus, dass es 2012 gegen 400 sein könnten.

Eine weltweite Kirche
Die Generalkonferenz wird in der Zusammensetzung ihrer Delegierten internationaler, auch wenn sie in ihren Aufgaben vieles erledigen muss, was nur die USA betrifft. Und genau hier liegt ein strukturelles Problem, das kontrovers diskutiert wird. Die Generalkonferenz 2008 wird darüber entscheiden, ob die USA eine eigene Zentralkonferenz werden kann. Die Generalkonferenz würde nur noch die weltweit verbindlichen Anliegen behandeln. Ein definitiver Entscheid wird erst 2012 möglich sein.

Ordinationsfragen
Jede Generalkonferenz gibt Aufträge, in den kommenden vier Jahren wichtige Grundfragen der Kirche zu studieren. Ein Studienauftrag hat sich mit der Gestaltung der ordinierten Dienste in der Kirche beschäftigt. Der Zwischenbericht der Studiengruppe soll an der Generalkonferenz diskutiert werden: Welche Aufgaben soll ein ordinierter Diakon wahrnehmen und welche ein ordinierter Ältester? Wann soll die Ordination erfolgen? Müssen alle Personen ordiniert werden, die eine Sakramentsvollmacht (Taufe, Abendmahl) erhalten, auch "LokalpfarrerInnen" (früher LaienpredigerInnen mit Dienstzuweisung)? Sollte - wie früher - jemand zuerst zum Diakon / zur Diakonin und anschliessend zum / zur Ältesten ordiniert werden? Der Bericht stellt auch die Frage, ob die Neugestaltung des Diakonenamtes von 1996 teilweise wieder rückgängig gemacht werden soll. Diskussionsstoff ist vorhanden…

Eine engagierte Kirche
1908 veröffentlichte die Generalkonferenz zum ersten Mal ein soziales Bekenntnis. Es wurde immer wieder auf neue gesellschaftliche Fragestellungen ausgerichtet. Später kamen die ausführlicheren Sozialen Grundsätze und Resolutionen zu einzelnen Handlungsfeldern dazu. Hundert Jahre nach den Anfängen wird der Generalkonferenz 2008 ein neues soziales Bekenntnis vorliegen, das sich für den gottesdienstlichen Gebrauch eignen soll. Es entstand in Konsultationen, die in den USA, in Europa, Afrika und den Philippinen stattfanden. Die Generalkonferenz wird, wie alle vier Jahre, die Sozialen Grundsätze und die Resolutionen überarbeiten. Darunter fallen auch jene kontroversen Fragen, die wie die Stellungnahme der Kirche zu praktizierter Homosexualität auf grosses Medieninteresse stossen und bei vielen Menschen innerhalb und ausserhalb der Kirche den Eindruck hinterlassen, die Generalkonferenz würde sich nur mit diesem Thema befassen.

Kirchliche Handlungsfelder
"Menschen in die Nachfolge Christi zu führen, um die Welt zu verändern" unter diesem Leitmotiv lebt die Kirche ihren Auftrag. Vier Handlungsfelder werden dabei Priorität haben:
(1) In methodistischer Weise leben - dazu erscheint in englischer und französischer Sprache auf die Generalkonferenz eine Handreichung für die Umsetzung der "allgemeinen Regeln" von John Wesley in den Alltag des Christseins;
(2) Neue Gemeinden gründen - ein Aktionsplan, der der Generalkonferenz vorliegt, sieht vor, die Zahl der Neugründungen in den USA von jährlich knapp 50 auf 150 zu vergrössern und dabei vermehrt auch unter ethnischen Minoritäten neue Gemeinden zu gründen;
(3) die diakonische und missionarische Arbeit unter Kindern zu verstärken - insbesondere dort, wo Kinder unter Armut leiden;
(4) Gesundheitsprogramme in Zusammenarbeit mit nichtkirchlichen Trägern fördern - insbesondere die Bekämpfung von Malaria und AIDS. Wer mehr über einzelne Themen erfahren oder die Diskussionen an der Generalkonferenz miterleben möchte, kann dies über Internet tun.
"Menschen in die Nachfolge Christi zu führen, um die Welt zu verändern" umfasst für Methodistinnen und Methodisten immer eine persönliche und eine soziale Dimension der Glaubensentwicklung oder mit einem klassischen methodistischen Begriff: persönliche und soziale Heiligung. Unter diesem Leitmotiv will die Generalkonferenz 2008 die Prioritäten der Gesamtkirche so ausrichten, dass "eine Zukunft mit Hoffnung" aufstrahlt.

Links:

Generalkonferenz 2008



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