Kirche + Welt Internet Ausgabe

Kirche und Welt - Nr. 06/2007 Juni - 16.06.2007   Zurück zur Übersicht   Kirche und Welt abonnieren

Stationen auf dem Lebensweg von Christoph Raphael Hassily

Durch die Hölle in ein neues Leben

"Sie haben mich an einen Stuhl gefesselt und aus dem Fenster des ersten Stocks geworfen!" Christoph Raphael Hassily spricht gelassen, wenn er seine Geschichte erzählt.

Von Christoph Schluep

Selbst wenn er die Narben auf der ganzen Länge seiner Beine zeigt, bleibt er ruhig. Dabei hätte er allen Grund, das Regime im Iran, seinem Heimatland, zu hassen. Als Mitglied der islamischen Staatspolizei führte er Kontrollen durch. Nichts wird dem Zufall überlassen: Die islamische Revolution im Iran muss mit aller Gewalt durchgesetzt werden. Auch wenn es die eigenen Mitarbeiter trifft.

Der grosse Fehler
"Dann sah ich etwas!" Christoph Hassily zögert. "Mein Vorgesetzter, ein strenggläubiger Muslim mit langem Bart, hat bei einer Kontrolle zwei Mädchen vergewaltigt." Christoph bringt das Vergehen an den Tag. Aber das ist keine gute Idee: Noch in derselben Nacht wird er abgeführt und am Morgen von einem Standgericht als Verräter zum Tode verurteilt. "Ich bin unschuldig, aber keiner glaubte mir. So ist das im Iran: Das Regime duldet keine Kritik." Das Urteil konnte in eine Haftstrafe im Gefängnis umgewandelt werden, wo Folter an der Tagesordnung ist. Der Fenstersturz ist nur eine von vielen Misshandlungen. Nach langen Jahren kommt er frei. Aber noch immer wollen radikale Muslime seinen Kopf. Sie werfen Molotovcocktails in sein Haus und bedrohen ihn mit dem Tod. Er beschliesst zu fliehen.

Die entscheidende Wende
Es folgt ein Weg durch die Hölle: 14 Jahre, ein Dutzend Länder, nirgends Heimat, Drogen, Selbstmordgedanken. Irgendwann landet er in der Schweiz. "Und dann haben Christen für mich gebetet." Das ist der Wendepunkt: Christoph lernt Gassenarbeiter in Zürich kennen, kommt in den Gassenzmittag der EMK Zürich 4, erzählt mir von seinem Leben. "Ich glaube jetzt an Gott, und alles wird besser", sagt er. "Ich bin Christ, taufe mich!". Wir haben ihn getauft. Er hat einen neuen Namen bekommen: Christoph Raphael. Er ist ein freier Mensch geworden, Mitglied der Gemeinde, besucht jeden Gottesdienst, kocht für die Randständigen, hilft, wo er kann. Wir sind Freunde geworden, Brüder. Er wohnt jetzt bei einem Mann der Gemeinde, im Diakoniewerk Bethanien hat er Arbeit gefunden. Für uns ist er ein Zeichen, dass die Welt nicht von Gott verlassen ist. Aber noch ist nicht alles ausgestanden: Sein Asylgesuch wurde erstinstanzlich abgelehnt. Wir haben rekuriert, das Ergebnis steht noch aus. Aber wir geben nicht auf: Wir hoffen, wir beten.

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