Kirche + Welt Internet Ausgabe

Kirche und Welt - Nr. 01/2007 Januar - 01.01.2007   Zurück zur Übersicht   Kirche und Welt abonnieren

Neues!

von Felix Wilhelm-Bantel, Pfarrer der EMK Biel/Bienne, Schweiz

Gehören Sie zu den Menschen, die sich für Neues begeistern lassen, oder eher zu denen, die sich nur widerwillig auf Neues einlassen? Die Jahreslosung weckt bei den Einen freudige Erwartungen, bei den Andern Sorgen und Ängste.

Jahreslosung 2007, gestaltet von Christa Matter-BolliDie Worte der Jahreslosung stehen im 43. Kapitel des Jesajabuches. Am Anfang dieses Kapitels steht der Gruss Gottes: "Fürchte dich nicht!" Angesprochen sind damit Judäern und Judäerinnen, die um 550 v. Chr. bereits in der zweiten oder dritten Generation in Babylon leben. Ihre Eltern oder Grosseltern sind nach der Zerstörung Jerusalems dahin verschleppt worden. Einige haben sich seither recht gut im Exil eingerichtet. Anderen frisst die Sehnsucht an der Seele. Ihnen kommt es vor, als wären sie nicht nur von der Heimat sondern auch von der Nähe Gottes abgeschnitten. Auch die Judäerinnen und Judäer in Babylonien dürften damals die Ankündigung des Neuen unterschiedlich aufgenommen haben.

Nun werden diese Worte uns ein Jahr lang begleiten. Sie werden uns herausfordern, ermutigen, zurecht weisen, befreien, sensibilisieren, weil sie uns an typische Handlungsweisen von Gott erinnern: Typisch für Gott ist, dass er Neues schafft. Wie stellen wir uns das vor? Als Revolution? Als Entwicklung / Evolution? Als Schöpfung?

Wenn Gott Neues schafft, hat das mit Schöpfung zu tun. In Jesaja 43 geht es nicht um einen neuen Himmel und eine neue Erde. Hier wird angekündigt, dass Gott in der Zeit etwas Neues schaffen werde. Das Neue müsste also schon zu sehen sein. Gott lässt mitten im Gegebenen, Bestehenden, Festgefügten, scheinbar Unabänderlichen Neues wachsen. Dazu muss er das Bestehende nicht zerstören. Das Bestehende bildet vielmehr den Rahmen, den Ausgangspunkt. Das Neue selber ist nicht vorhersehbar. Es kommt unerwartet. Es kann nicht geplant werden. Erinnern wir uns z.B. an die Wende in Europa von 1989. Sie hat damals alle überrascht, die Politiker, die Wirtschaftsleute, uns gewöhnliche Bürgerinnen und Bürger. Das war eine grosse Sache, deren Veränderungen uns heute noch beschäftigen.

Für unser eigenes Leben und das Leben von unseren Familien und Gemeinden muss Gott nicht mit so grosser Kelle anrichten. Was Gott da Neues schafft, ist allerdings ebenso wenig vorhersehbar und hat ebenfalls weitreichende Folgen. Wenn Gott Neues schafft, gehen Geschichten nicht so weiter, wie es menschlich gesehen zu erwarten gewesen wäre.

Dass Gott Neues schaffen will, löst bei uns gegensätzliche Gefühle und Gedanken aus. Im Blick auf Gottes Verheissung reden Kopf und Herz je nach dem mit verschiedenen Stimmen zu uns. Oft widersprechen sie sich: Der Verstand zählt Gründe auf, weshalb man sich auf das Versprechen Gottes verlassen könne oder nicht. Die Gefühle schwanken zwischen Angst vor dem Unbekannten, Neuem und von schlichtem Vertrauen bis zu überschwänglicher Begeisterung. Es gibt Menschen, die achten mehr auf ihren Verstand als auf ihre Gefühle. Und es gibt andere Menschen, die lassen sich mehr von Gefühlen als vom Verstand leiten.
Kopf und Herz können sich täuschen. Beide können im Kleinglauben stecken bleiben. Oder sie können unser Gottvertrauen stützen. Sie können dazu dienen, dass wir uns auf Gott verlassen. Mit beiden können wir wahrnehmen, was Gott Neues schafft. Gottes Geist möge uns leiten, damit unser Herz nicht von der Angst und unser Kopf nicht von Bedenken gefangen werde, und damit unser Herz nicht schwärmerischen Illusionen und unser Kopf nicht dem Leichtsinn verfällt.

Gott schafft Neues. Seine Spuren sollten schon zu sehen sein. Wo entdecken Sie Spuren des Neuen, das Zukunft eröffnet und dem Leben neuen Raum erschliesst?

(Der obenstehende Text stammt aus der gedruckten Europaausgabe von unterwegs / kirche+welt / Der Methodist 2007.)

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