Kirche + Welt Internet Ausgabe

Kirche und Welt - Nr. 16/2006 September - 21.09.2006   Zurück zur Übersicht   Kirche und Welt abonnieren

Das Volk Gottes, der Judenstaat Israel, ist ein unbeliebtes und unwillkommenes Volk im Nahen Osten. Doch Gott wirkt und steht Israel auch heute noch bei, so wie Er es zu biblischen Zeiten tat.

Israel muss stark und mutig sein

von Aviel Schneider*

Der Hochmut Israels hat das Volk und seine Armee im jüngsten Libanonkrieg geschwächt. Jüdische Rabbiner und messianische Gemeindeleiter haben mehrfach betont, dass Israel sein Vertrauen mehr auf Gott setzen sollte und weniger auf seine eigene Kraft. „Zum ersten Mal in Israels Staatsgeschichte haben wir unseren Nachbarn nicht beweisen können, dass sich Friedensverhandlungen mehr lohnen als Gewalt“, sagte Ex-General Prof. Itzchak Ben Israel. Bisher hat Israel alle Existenzkriege in den letzten 58 Staatsjahren Israels mit Gottes Hilfe gewonnen. Menschen die an Gott glauben, betrachten dies als ein „Wunder Gottes“ und die, die nicht an Gott glauben, betrachten dies als „strategische Weisheit mit Glück“. Wichtiger ist aber, wem das Volk Gottes vertraut. Ein Beispiel aus der Bibel: In 4. Mose 13 wird von den zwölf Kundschaftern erzählt, die alle ein und dieselben Riesen sahen, sie sahen alle die Enakskinder und die befestigten Städte. Das verführte zehn von den zwölf Kundschaftern zu der Erklärung: „Wir sind nicht im Stande, gegen das Volk hinaufzuziehen…! Wir kamen uns selbst gegen sie wie Heuschrecken vor, und ebenso erschienen wir ihnen!“ Nur zwei Kundschafter, Josua und Kaleb – die ebenfalls jene Riesen und gewaltigen Mauern gesehen hatten – erklärten das Gegenteil: „Fürchtet euch ja nicht vor den Bewohnern des Landes! Denn wie ein Bissen Brot werden wir es verspeisen!“ Nur zwei Kundschafter vertrauten Gott und ermutigten das Volk das von Gott verheissene Land zu erobern. Und Gott ermutigte sein Volk: „Ich bin der Herr, euer Gott, der euch aus dem Land Ägypten weggeführt hat, um euer Gott zu sein, Ich, der Herr, euer Gott!“ Weil Josua und Kaleb glaubten, das bei Gott kein Ding unmöglich ist, zogen sie in das Gelobte Land Eretz Israel ein, nicht aber die zehn Kundschafter, die Gott nicht vertrauten. Diese verdorrten in der Wüste auf dem Weg ins Gelobte Land.

Gott wählte das Land aus

Das Volk Gottes, der Judenstaat Israel, ist ein unbeliebtes und unwillkommenes Volk im Nahen Osten. Israels Feinde, die moslemischen Länder wollen keinen Judenstaat in „ihrer“ Region dulden. Juden und Christen werden im Koran als die Ungläubigen bezeichnet, die um jeden Preis bekämpft werden müssen. Warum stören sich 500 Mio. Moslems an 6 Mio. Juden in Israel? Darüber hinaus hat das winzige Land Israel noch nicht mal Bodenschätze, wie in den arabischen Ländern das reichliche Öl. Gegen diesen blinden Hass verteidigt sich der Staat Israel seit seiner Staatsgründung im Jahr 1948. Aber Gott wählte dieses Land für Sein auserwähltes Volk aus. „Ich will euch aus dem Elend Ägyptens hinaufführen in das Land der Kanaaniter, Hetiter, Amoriter, Perisiter, Hewiter und Jebusiter, in ein Land, das von Milch und Honig überfliesst.“ (2. Mose 3, 17) Gott hat Seinem Volk kein menschenleeres Land verheissen, sondern ein besiedeltes Land. Damals wie auch heute, ist das Volk Israel in ein bewohntes Land eingezogen. Gott wählte einen Landstreifen, in dem bereits andere Völker wohnten und vererbte es Seinem Volk. Für die betroffenen Völker war dies damals ein Schock und ein Kriegsausruf seitens der Kinder Israels. Der Gott Israels war nicht Gott der fremden Völker und so verteidigten sich die Völker gegen die Eroberung Josuas. „Wie ich mit Mose gewesen bin, werde ich mit dir sein, ich werde dich nicht aufgeben und dich nicht verlassen. Sei stark und mutig! Denn du sollst diesem Volk das Land als Erbe austeilen, dass ich ihnen Vätern geschworen habe.“ (Josua 1, 5-6) Es war Gottes Idee Seinem Volk bewohntes Land zu erben. Das sehen natürlich Moslems, Palästinenser und Hisbollahs nicht ein. Das der Judenstaat nach 2000 Jahren wieder im selben Land existiert, ist ein Wunder Gottes und daher muss Israel heute ebenso „mutig und stark sein“, wie zur biblischen Zeit.

Israel sehnt sich nach Frieden

Jedes Mal wenn sich Israels Verteidigungsarmee gegen arabische Aggressionen verteidigt, werden immer nur Israels Sicherheitsaktionen als aggressiv verurteilt. Sofort wird das Leid auf der palästinensischen und libanesischen Seite in den Medien hervorgehoben, als ob nur dort Menschen leben wollen und Israel kampfsüchtig ist. In Israel wird nicht von Kriegen geträumt, im Gegenteil, Israel sehnt sich mehr als jedes andere Volk nach Frieden und daher hat es jeden Friedensversuch ernst genommen. Israels Abschreckungskraft hat sich seit dem Oslo-Vertrag 1993 in den Augen der Araber sehr geschwächt, weil Israel gegenüber seinen arabischen Feinden zu nachgiebig war. Israel ist aus 43% des biblischen Kernlandes Judäa und Samaria, sowie aus dem Gazastreifen abgezogen. Darüber hinaus wurde Israels Truppenabzug aus dem Südlibanon im Sommer 2000 von der UNO voll bestätigt und Israel versprochen, dass die libanesische Armee an Israels Nordgrenze die Kontrolle anstatt die fanatische Hisbollahs übernimmt. Dies wurde aber nicht eingehalten und Israel warnte bereits seit der ersten Soldatenentführung kurz nach dem Truppenabzug aus dem Südlibanon vor neuen Raketenangriffe. Doch die Welt ignorierte Israels Warnungen und forderte ständige Israels Zurückhaltungstaktik, die Israel noch mehr in den Augen der Araber schwächte. Die gesamte Kriegssituation wäre Israel und dem Libanon gespart geblieben, hätte die UNO sich rechtzeitig vor sechs Jahren für die volle Entwaffnung oder die Entfernung des Hisbollahs von der israelischen Nordgrenze eingesetzt.

Fazit

Israel hat für Frieden mit seinen Feinden seit dem Oslo-Durchbruch territoriale Kompromisse gemacht, die von seinen Feinden als pure Schwäche interpretiert und von der Welt gelobt wurden. Nun muss Israel mit seiner gescheiterten Zurückhaltungsstrategie ein Ende machen, denn im Nahen Osten, nicht wie in Europa oder Amerika heute, garantiert Sicherheit Ruhe und Frieden und nicht umgekehrt. „Denn sonst“, so schrieb der anerkannte israelische Kommentator Sever Plotzker, „steht das zionistische Projekt Israels in Existenzgefahr“. Aber Israels Geheimwaffe und Hoffnung ist Gott! Gottes Wirken, wie damals die Wolke am Tag und die Feuersäule in der Nacht, können Israels Feinde nicht sehen. Doch der Allmächtige wirkt und steht Israel auch heute noch bei, so wie Er es zur biblischen Zeit machte. „Seid mutig und stark!“
_

Fünf Fragen von kirche+welt an Aviel Schneider

Welche Bedeutung hat Israel heute für die Christen?

„Israels wiedererstandene Existenz zeigt, dass die Wiederkunft Christi nahe ist, denn Jesus sagte in Matthäus 24, dass wenn der Feigenbaum – biblische Symbol für Israel – wieder grünt, „er vor der Tür steht“. Da Christen weder Tag noch Stunde seines Kommens wissen werden, ist Israel als Zeichen der Zeit für die Christen die Uhr Gottes.“

Sind die Juden das auserwählte Volk?

„Gott hat nicht die Juden auserwählt, weil sie besser als andere Völker sind (5.Mose 7,7), sondern weil Gott mit ihnen aus Liebe einen Bund geschlossen hat, den er nie brechen wird. Eher werden die Ordnungen des Himmels aufhören, aber nicht sein Bund mit Israel, der für alle Zeiten auch Israels Nachkommenschaft gilt (Jeremia 32,35-37).“

Dürfen Christen Israel und die Juden kritisieren?

„Juden und Christen sind die von Gott gewollte Ehe. Sie gehören zusammen obwohl sie unterschiedlicher Glaubensnatur sind. In solch einer Ehe gehört es zur Normalität, dass der eine den anderen kritisiert, besser gesagt korrigiert. Dies sollte jedoch nur in Liebe geschehen und konstruktiv sein, sonst artet es in Hass aus und das ist böse.“

Ist die Auserwählung vom jüdischen Volk zum christlichen Glauben gewandert?

„Als Gott die Eva schuf, fiel Adam in einen Tiefschlaf und wachte erst auf, als Eva fertig war. Eva aber sollte Adam nicht ersetzen, sondern ihn nur als Gehilfin ergänzen. So wurde das jüdische Volk um der Heiden willen betäubt, aber nur solange bis die Gemeinde aus den Heiden ihre Vollzahl erreicht hat. Dann wacht Israel in seiner Gesamtheit auf und erkennt ihren Messias (Römer 11), denn die Kirche sollte Israel ja nicht ersetzen, sondern nur ergänzen.“

Hat Israel bzw. das jüdische Volk eine Bedeutung in der künftigen Heilsgeschichte?

„Die Juden werden zum Volk, in dem sich Gott aller Welt offenbaren wird, denn „zehn Männer aus allen Sprachen der Völker werden einen jüdischen Mann beim Rockzipfel ergreifen und sagen: Wir wollen mit euch gehen, denn Gott ist mit euch!“ (Sacharja 8,23). Dazu wird Gott von Jerusalem aus alle Welt regieren und alle Völker zum Laubhüttenfest nach Jerusalem beordern (Sacharja 14).“

*Aviel Schneider ist Chefredakteur von israel heute. Er diente selbst in den 80er Jahren für drei Jahre in der israelischen Armee und macht seit 20 Jahren jährlichen Reservedienst.

Der obenstehende Artikel und das Interview finden sich in der neusten Ausgabe von kirche+welt unter der Rubrik "Kontrovers".
_____________________

Auch in der neusten Ausgabe:

- Besser leben ohne Geld: Heidemarie Schwermer
- Bibel: Warum kein Löwe im Himmel regiert
- 24 Stunden: Warum Bruno Guntelach auswandert

Abonnieren Sie kirche+welt! Es geht ganz einfach mit dem rechts obenstehenden Link oder unter Tel. 01 986 35 81.

Links:

israel heute

Forum für Israel

Offizielle Regierunswebsite von Israel (in englischer Sprache)

Wikipedia-Eintrag über Israel



-----------
Bitte senden Sie Ihre Bemerkung an die folgende Mailadresse:
"redaktor at kircheundwelt punkt ch".