Kirche + Welt Internet Ausgabe

Kirche und Welt - Nr. 19/2005 November - 24.11.2005   Zurück zur Übersicht   Kirche und Welt abonnieren

„Harry Potter und der Feuerkelch“, die vierte Verfilmung der Buchreihe, kommt in die Kinos. Ein gross aufgemachter Hollywoodstreifen, der gute Unterhaltung bietet. Aber die Kernfrage lautet: Dürfen Christen das sehen?

Wenn schon Monster...

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Ich gestehe: Ich habe alle Harry-Potter Bücher gelesen und alle Filme gesehen. Am Anfang stand die Neugier auf ein Buch, das Millionen von Kindern und Jugendlichen wieder zum Lesen brachte, auch wenn es pro Band 600 Seiten sind. In der Geschichte des Universums hat noch nie ein Kinderbuch solche Erfolge gefeiert, und ich wollte wissen, warum. Ganz nach der Regel des heiligen Paulus: „Alles ist erlaubt ...“ Und nun also der vierte Film: Harry Potter und der Feuerkelche.

Die Story ist schnell erzählt: Drei Magie-Internate stellen ihren jeweils besten Schüler bzw. Sportler für einen Wettkampf um grosse Ehre, und Harry Potter, obwohl eigentlich zu jung für eine Teilnahme, kommt magischerweise als vierter Champion dazu, verliebt sich in eine Unerreichbare, lässt seine hübsche, indische Ballpartnerin schmählich sitzen und besiegt nebenbei Drachen, Seewesen, böse Labyrinthe. Natürlich stellt ihm auch in dieser Episode der Oberschurke Valdemort nach, aber Harry entkommt ihm, einmal mehr. Von den schauspielerischen Leistungen muss man nicht gross sprechen, aber die Details in der Inszenierung, der Sprachwitz und vor allem die Spezialeffekte haben es in sich und sind sehr unterhaltsam. Alles in allem: Wer solche Filme mag, ist gut bedient, und wer das Buch gelesen hat, wird nicht enttäuscht.

„Alles ist erlaubt“, sagt Paulus, aber viele Christen sehen in Harry Potter und der Phantasie-Welt von J.K. Rowling eine grosse Bedrohung für die Kirche und den Glauben, weil hier mit der schwarzen Magie leichthin gespielt werde. Paulus schreibt ja auch: „... aber nicht alles ist nützlich“. Ist Harry Potter zwar erlaubt, aber trotzdem nicht nützlich? Nun, wenn mal einmal absieht von den eher harmlosen und bestenfalls noch unterhaltsamen Zauberlektionen und Tricks, die die mehr oder weniger gelehrigen Schüler büffeln, dann steht im Hintergrund der Geschichte ein festgemauertes Weltbild, das zwischen gut und böse unterscheidet und sich kompromisslos auf die Seite des Guten stellt. Auch nicht eine Sekunde wird das Böse verharmlost, ganz im Gegenteil: Der Kampf für das Gute ist das Prinzip gelungenen Lebens. Und hier sind wir einem christlichen Existenzentwurf sehr nahe. Natürlich, Harry Potter hat keine explizit religiöse Komponente, aber wer schaute auf das allein, wenn er ins Kino geht oder den Fernseher anstellt? Ist Harry Potter also gefährlich? Ja, weil er eine brutale und zT. grausame Geschichte erzählt, aber das liegt durchaus im Trend der gegenwärtigen Literatur und auch der Kinowelt - Gewalt verkauft sich gut. Kindern unter 12 ist der Film darum auf keinen Fall zu empfehlen. Aber Harry Potter ist nicht gefährlich, wenn er eine magische Welt herbeizaubert. Das macht C.S. Lewis in den Narnia-Märchen auch, und die „darf“ man ja lesen (und bald auch schauen). Ich gebe zu: Wenn schon Monster, dann lieber Narnia, aber in der Freiheit eines Christenmenschen kann ich Harry Potter lesen oder sehen, ohne im Glauben auch nur eine Federkielbreite zu wanken.

Links:

Die offizielle Seite zum neuen Harry Potter-Film

Eine Fanpage zu Harry Potter

Warum man Harry Potter lesen darf - Ein christlicher Pro-Beitrag

Warum man Harry Potter nicht lesen soll - Kritik von Gabriele Kuby



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