Kirche + Welt Internet Ausgabe

Kirche und Welt - Nr. 10/2005 Mai - 26.05.2005   Zurück zur Übersicht   Kirche und Welt abonnieren

In den Schweizer Kinos läuft der Film «Star Wars –Episode III» (USA 2005, 146 Minuten), und wieder schlagen die Guten und Bösen mit Laserschwertern aufeinander ein und düsen Raumschiffe durch das Universum, untermalt vom genialen «Star Wars»-Soundtrack.

Warum «Star Wars» hilfreich ist

von Andy Schindler-Walch und Christoph Schluep-Meier

Die Geschichte der sechs «Star Wars»-Filme ist eigentlich schnell erzählt. Es ist der uralte Kampf von Gut gegen Böse, der vor «langer, langer Zeit, in einer entfernten Galaxis spielt», wie jeweils zu Beginn im Film eingeblendet wird. Gemäss George Lucas, dem geistigen Vater und Regisseur von vier der Filme, wird die Geschichte von Anakin Skywalker erzählt, der sich vom Guten zum Bösen, in die Gestalt von Lord Darth Vader, wandelt und am Schluss wieder zum Guten wird. Ob Lucas das wirklich von Anfang an beabsichtigt hatte, sei mal dahingestellt, denn in den ersten drei Filmen, die zwischen 1977 und 1983 entstanden, steht die Geschichte von dessen Sohn Luke Skywalker im Vordergrund, der sich vom unerfahrenen Jüngling zum heldenhaften Jedi-Ritter entwickelt und dabei den klassischen «Weg des Helden» geht; ein Weg, der auch in vielen Mythen und Märchen beschrieben wird.

Luke kämpft auf der Seite von tapferen Rebellen gegen ein finsteres Imperium mit dem finsteren Darth Vader, dem noch finstereren Imperator (Zitat von Darth Vader: «Der Imperator verzeiht nicht so leicht, wie ich es tue») und vielen, vielen Bösewichtern des Imperiums. Dazwischen gibt es noch eine Reihe von Menschen und mehr oder weniger hässlichen Monstern, die eigene Interessen verfolgen und irgendwie in die Geschichte als Gute oder Böse verwickelt sind. Drei weitere Filme, die zwischen 1999 und 2005 entstanden, erzählen die Vorgeschichte bis zur Geburt von Luke und dessen Schwester Leia. Im letzten, nun aktuellen Film «Star Wars – Episode III», wird der Wandel von Anakin Skywalker zu Darth Vader und die Entstehung des Imperiums geschildert.

Die Faszination

Als der erste «Star Wars»-Film im Jahr 1977 in die Kinos kam, wurde er für viele Zuschauer zu einer Art Offenbarung (die bei vielen und neuen bis heute und dank der weiteren «Star Wars»-Filme, dem Fanrummel und den unzähligen Merchandising-Produkten anhält). Es war ein Film, der ein unverkrampftes Weltraumabenteuer präsentierte, der Werte wie Gut und Böse klar vertrat und mit Spezialeffekten aufwarten konnte, die man bis dahin in dieser Art noch nie gesehen hatte. Des Weiteren konnte man sich mit den klar gezeichneten Figuren im Film gut identifizieren, sei es mit dem Helden Luke Skywalker, der tapferen Prinzessin Leia oder dem Abenteurer Han Solo. Und auch die Bösewichter, besonders der röchelnde Darth Vader, faszinierten die Zuschauer. Und da war noch der Mix aus Religion und verschiedenen Mythen in «Star Wars», der eine spirituelle Sehnsucht bei den Zuschauern weckte.

Die Religion

«Vader unser» titelte die Gratiszeitung «20 Minuten» letzte Woche. In den «Star Wars»-Filmen findet man eine Menge biblischer und christlicher Bezüge, wie etwa dem Handeln von Erlöserfiguren oder der Selbstopferung für die Rettung der Guten. Natürlich finden sich in den Filmen auch Hinweise zu weiteren Religionen, Mythen und anderen erfolgreichen Filmen (gerade in den neusten drei Filmen).

Im Zentrum der «Star Wars»-Filme geht es um eine «Macht», der die guten Jedi-Ritter vertrauen, die aber auch zu einer «dunklen Seite» verführen kann, die zum Bösen führt, anschaulich dargestellt im Wandel von Anakin Skywalker zu Darth Vader.Zwar wird die «Macht» etwas gar diffus in den Filmen beschrieben und erklärt (z.B.mit folgendem Zitat: «Die Macht gibt dem Jedi seine Stärke»), aber der Schlüsselsatz: «Möge die Macht mit dir sein», fehlt in keinem der Filme. «Die Tatsache, dass dieser Segensspruch in den «Star-Wars»-Filmen aufgenommen wurde, zeigt, dass das Bedürfnis der Zuschauer nach hoffnungsvollem,Trost spendendem Segen sehr gross ist»,schrieb der Redaktor Bruno Graber in einem Artikel auf jesus.ch. Tatsächlich erinnert der Satz an christliche Segenssprüche wie zum Beispiel: «Der Herr sei mit dir.»

Gerade weil Themen wie Erlösung oder Verführung in den «Star Wars»-Filmen eine sehr grosse Rolle spielen, lohnt es sich, sich damit auseinander zu setzen, damit man mit den vielen Menschen, die man nicht in der Kirche findet, sich aber für «Star Wars» begeistern und diese Themen interessieren, ins Gespräch darüber kommen kann. Denn interessant an den «Star Wars»-Filmen ist, dass durch den Schöpfer der Geschichte, George Lucas, viele Fragen zur Religion gestellt werden, ohne aber eine abschliessende Antwort darauf zu geben. «Für diejenigen, die keine Christen sind und von ‹Star Wars› fasziniert sind, hoffe ich, dass sie erkennen werden, dass das Christentum Antworten auf manche der Fragen bietet, die Lucas stellt», schreibt der Theologe und Astrophysiker David Wilkinson in seinem Buch «Möge die Macht mit uns sein» (Brunnen Verlag). Und er meint weiter, dass «Star Wars» vielleicht nicht so weit geht, wie das spezifisch theologische Fragen, «aber indem es dieses Gefühl des Staunens in eine Geschichte mit religiösen Themen hineinpflanzt, hält es uns dazu an, unsere Vorstellungskraft zu gebrauchen und über diese Fragen nachzudenken.»

Und das Potenzial ist gross: Gemäss einer Volksbefragung im Jahr 2001 gaben in Grossbritannien über 390'000 Menschen an, ihre Religion sei die der Jedi-Ritter, mit anderen Worten: Sie glauben an die Macht, die uns lenkt. Dass der Glaube an Gott in Jesus Christus etwas anderes ist, liegt auf der Hand, und dass weder die Welt, noch Gott so einfach in schwarz-weiss, gut-böse unterteilt werden können, ebenfalls. Und doch zeigen diese Umfrage und der Boom der Filme, dass es weit weniger Totalatheisten gibt, als wir das in den Kirchen manchmal denken. Wir haben die einmalige Gelegenheit, Licht ins Dunkel zu bringen, das (Laser-)Schwert des Glaubens zu umgürten und dem imperatorischen Unglauben oder Falschglauben oder Nichtganzglauben mutig entgegenzutreten, denn unsere Macht möge nicht nur, sondern wird mit uns sein.
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Auch in der neusten Ausgabe von kirche+welt:

- Das Partnerschaftsgesetz - Der Ausschuss für Kirche und Gesellschaft sagt ja
- Abschied: Die Gedanken und Erfahrungen von Robert Seitz vor seiner Pensionierung
- Bibel: Was wir aus dem Galaterbrief lernen können

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Links:

Die offizielle Website von "Star Wars"

Star Wars und Religion - Artikel auf jesus.ch

Untersuchung des Films "Star Wars - Episode 1" unter religiösen Gesichtspunkten

Die Website des offiziellen "Star Wars"-Magazins



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