Kirche + Welt Internet Ausgabe

Kirche und Welt - Nr. 11/2004 Mai - 19.05.2004   Zurück zur Übersicht   Kirche und Welt abonnieren

Berichte der beiden Schweizer Delegierten

Wie wir die Generalkonferenz erlebten

David Bühler (links) und Patrick Streiff an der Generalkonferenz 2004von David Bühler und Patrick Streiff

David Bühler und Pfarrer Patrick Streiff waren die beiden Delegierten der Jährlichen Konferenz der EMK Schweiz-Frankreich an der Generalkonferenz 2004 in Pittsburgh.
Beide berichten von den Verhandlungen sowie von ihren persönlichen Erfahrungen.


Der Bericht von David Bühler:

Eindrücke eines Neulings

Was kann man von einem solchen Riesenanlass erwarten? Wie funktioniert die Arbeit mit rund 1000 Delegierten? Verliert man nicht den Überblick bei so vielen Petitionen? Wird das Thema Homosexualität alles überragen? Mit diesen und vielen weiteren Fragen bin ich am 24. April zusammen mit Patrick Streiff nach Pittsburgh gereist. Ich bin mit so vielen Eindrücken nach Hause zurück gekehrt, dass es unmöglich ist, umfassend darüber zu berichten. Zu folgenden Stichworten ein paar Gedanken:

Riesige (amerikanische) Ausmasse

- Kongresszentrum mit Plenarsaal für 1000 Delegierte, 50 Bischöfe, 200 köpfigen Chor und bis zu 4000 Zuschauern. Dazu Säle für Kommissionssitzungen, Büros, Gebetsräume, Banketten, Internet-Café, Verpflegung, Cokesbury-Buchhandlung mit Vollsortiment, Pressezentrum, Ausstellungen von verschiedenen EMK-Werken, ...
- 1600 Petitionen, 11 Kommissionen zur Vorberatung, Delegierte aus über 25 Ländern, verschieden Kulturen, ...
- Stadt mit 60-stöckigen Wolkenkratzern, Hotels mit Hunderten von Zimmern, Football- und Eishockey-Arenen mit Zehntausenden von Sitzplätzen, ...

(Zu-) viele Petitionen

Als Schweizer mit einem Grunddemokratie-Verständnis sollte man sich eigentlich freuen, dass jedes Mitglied der EMK direkt einen Antrag an die Generalkonferenz stellen darf. Wenn sich dies aber auf 1600 Petitionen anhäuft, kann man schlicht nicht mehr den Überblick behalten. Zudem gibt es auch seltsame Anträge, wie z.B. die Forderung, in allen Gesangbüchern der EMK die „Navy-Hymne“ einzufügen oder festhalten zu wollen, dass der Mann in der Ehe über der Frau stehe.

Weltumspannendes Jugendwerk

Die Generalkonferenz hat beschlossen, die Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen neu zu organisieren und dies weltumspannend zu tun. In der neuen „Division on Ministries With Young People“ wird auch unsere Zentralkonferenz mit zwei Personen vertreten sein. Auch ist vorgesehen, einen Sekretär für die Arbeit in Europa einzusetzen. Damit soll die Jugendarbeit bis in die Gemeinden gestärkt werden, mit der Möglichkeit zum internationalen Austausch. Mit grosser Mehrheit wurde auch beschlossen, dass es an der Generalkonferenz 2008 neben der Bischofs- und der Laienbotschaft auch eine Rede von Seiten der Jungen geben soll.

Debatte rund um die Homosexualität

Am Dienstag der zweiten Wochen kamen die verschiedenen Petitionen zu diesem Thema ins Plenum. Dabei hielt die Generalkonferenz an allen bestehenden Formulierungen fest und konnte sich auch nicht durchringen, in den Sozialen Grundsätzen zu erwähnen, dass wir als Kirche in dieser Frage nicht einer Meinung sind. (Anmerkung: In der deutschen Fassung der Sozialen Grundsätze haben wir dies so erwähnt.) Die Entscheidungen sind zum Teil recht knapp ausgefallen und es stimmt nachdenklich, dass wahrscheinlich die Delegierten aus Afrika das „Zünglein an der Waage“ spielten, obwohl sie in ihren Zentralkonferenzen nicht an die Entscheidungen der Generalkonferenz gebunden sind. Hier zeigen sich auch Grenzen, wie wir als globale Kirche funktionieren.
Nachdem ein privates Papier eines konservativen Methodisten der Presse zugespielt wurde und in der ganzen USA in die Medien kam, welches die Teilung der EMK in zwei Kirchen vorschlug, gingen die Wellen hoch und die Stimmung in den Keller. Am letzten Tag der Generalkonferenz verabschiedeten wir dann folgende Erklärung, welche den Wunsch der grossen Mehrheit in der Kirche nach Einheit ausdrückt und klar gegen eine Teilung spricht:

Erklärung der Generalkonferenz 2004
Als Glieder der weltweiten EMK halten wir unseren Bund miteinander auch mitten in unterschiedlichen Überzeugungen aufrecht.
Wir bekräftigen unsere gemeinsame Verpflichtung zur Zusammenarbeit, um in aller Welt Menschen in die Nachfolge Jesu Christi zu rufen.
Generalkonferenz 2004,
Pittsburgh, 7. Mai 2004

So erhielt die Konferenz einen friedlichen und von Einheit geprägten Abschluss. Die ganzen Diskussionen und auch die Demonstrationen von der „progressiveren Seite“ verliefen in fairem und friedlichem Rahmen. Dies ist ein positiver Unterschied zur Generalkonferenz 2000.

Zusammenhalt der Europäer

Im Februar dieses Jahren waren alle Delegierten aus Europa zu einem Vorbereitungstreffen nach Bratislava eingeladen. Dieser durch das „General Board of Church & Society“ durchgeführte Anlass trug viel dazu bei, dass wir von Anfang gut mitarbeiten konnten. Durch regelmässige Treffen während der Konferenz mit Austausch über die Schwerpunkte in den vorberatenden Komitees waren wir besser vorbereitet auf die anstehenden Geschäfte und konnten so auch ins Geschehen eingreifen. Zudem erlebten wir „in der Fremde“, wie sich unsere europäische Kultur so sehr von der amerikanischen unterscheidet. Dies soll auch eine Motivation sein, die Kontakte in Europa verstärkt zu pflegen.

----

Der Bericht von Patrick Streiff:

Ein runder Tisch für Finanzen und Programme

Seit der Vereinigung der Methodistenkirche und der Evangelischen Gemeinschaft zur Evangelisch-methodistischen Kirche im Jahr 1968 gibt es auf der Ebene der Gesamtkirche eine Aufteilung zwischen einem Rat für Finanzen und einem Rat für Dienste, welcher seinerseits die zehn Generalkonferenzbehörden und –kommissionen beaufsichtigt und koordiniert. Über viele Jahre wurde der Rat für Dienste als zu schwerfällig oder gar überflüssig kritisiert. Der Rat für Dienste legte der Generalkonferenz 2004 einen Vorschlag für eine Vereinigung mit dem Rat für Finanzen vor. Die Idee orientierte sich am Modell eines „runden Tisches“, an dem Finanzen und Programme gemeinsam verantwortet werden. Diese Zielsetzung fand grosse Zustimmung. In der Umsetzung ging die Generalkonferenz aber andere Wege. Ich war selber Mitglied des Unterausschusses, der die neue Umsetzung erarbeitete, nachdem zunächst sehr unterschiedliche Vorstellungen im Raum standen. Der Rat für Finanzen wird bestehen bleiben. An die Stelle des bisherigen Rats für Dienste wird ein „runder Tisch“ (englisch: Connectional Table) treten, an dem auch jede Zentralkonferenz vertreten ist. Der Rat für Finanzen und der „runde Tisch“ werden Budgetvorlagen an die Generalkonferenz gemeinsam erarbeiten. So wird gewährleistet, dass gemeinsam, rund um den gleichen Tisch, über Finanzen und Programme verhandelt wird.

Gesamtkirchliche Finanzen

Die Frage „Wieviel kostet es?“ bzw. „Das können wir uns nicht leisten“, war öfters zu hören. Die Finanzen sind knapper geworden, nachdem die Generalkonferenzbehörden und –kommissionen im vergangenen Jahrviert einerseits Fondsgelder für den laufenden Haushalt verwenden mussten und andererseits den Wertverlust an der Börse zu spüren bekamen. Die Spendenfreudigkeit hat in den USA zwar erfreulicherweise wieder zugenommen, aber zugleich auch der Kostendruck, vor allem aufgrund massiv steigender Abgaben für die Sozialversicherungen der Pfarrer und Pfarrerinnen. So erhielten an der Generalkonferenz manche neuen Projekte weniger oder keine zugesicherten Ablieferung. Auch der geplante neue Fonds für weltweite Ausbildung ist davon betroffen. Er wurde zunächst von 10 auf 4 Millionen für das Jahrviert gekürzt und dann vom Rat für Finanzen nicht in die zugesicherten Ablieferungen einbezogen. Damit wird eine wichtige finanzielle Unterstützung der theologischen Ausbildungsstätten in den ehemals kommunistischen Ländern Europas im kommenden Jahrviert wegfallen. Dies wird auch unsere Zentralkonferenz treffen. Umso mehr werden wir als Methodisten in Europa Wege finden müssen, um die theologische Ausbildung in Mitteleuropa, Russland und dem Balkan in unterstützen zu können.

Vertretung der Zentralkonferenzen

Die Beiträge der Zentralkonferenzdelegierten stiessen immer wieder auf grosse Aufmerksamkeit. Übersetzung wurde in vielen Sprachen angeboten. An der Generalkonferenz 2004 stieg die Zahl der Vertreter und Vertreterinnen aus den Zentralkonferenzen auf annähernd 20% an. Unter den US-Delegierten machte sich eine Verschiebung zugunsten der Mitgliederstärkeren Konferenzen im Süden bemerkbar, die traditionell konservativer sind. Beide Veränderungen haben auch auf die Vertretung in den Generalkonferenzbehörden und –kommissionen Auswirkungen, wo die Zahl der Delegierten aus Zentralkonferenzen im kommenden Jahrviert von 40 auf über 50 (bzw. rund 10% der Mitgliederzahlen) ansteigen wird. Damit wird aus jeder der drei Regionen ausserhalb der USA (Europa, Afrika und Philippinen) zumindest ein Vertreter oder eine Vertreterin in jeder Generalkonferenzkommission Einsitz nehmen, in den grösseren Generalkonferenzbehörden zum Teil sogar ein Mitglied aus jeder der sieben Zentralkonferenzen. Die Möglichkeit der Mitsprache und Mitgestaltung der weltweiten EMK wird sich dadurch deutlich erhöhen.
_____

Auch in der aktuellen Ausgabe von kirche+welt:

- Vom Leiten und Führen in der EMK - ein Seminar hilft weiter
- Wieso faltet man eingentlich die Hände beim Beten?
- Was bringst du zu Gott?

Jetzt kirche+welt abonnieren mit dem rechts obenstehenden Formular oder unter Tel. 01 986 35 81.
Blick in den Plenarsaal der Generalkonferenz 2004

Links:

Homepage der Generalkonferenz 2004

Eine Zusammenfassung zur Tagung der Generalkonferenz 2004 (in englischer Sprache)

Fotos von David Bühler von der Generalkonferenz 2004



-----------
Bitte senden Sie Ihre Bemerkung an die folgende Mailadresse:
"redaktor at kircheundwelt punkt ch".