Kirche + Welt Internet Ausgabe

Kirche und Welt - Nr. 10/2004 Mai - 06.05.2004   Zurück zur Übersicht   Kirche und Welt abonnieren

Aus der ersten Konferenzwoche

Ein Stimmungsbericht von der Generalkonferenz

Der Plenarsaal der Generalkonferenz 2004, Foto: UMNSvon Pfr. Patrick Streiff

„Water washed and Spirit born“ - gewaschen mit Wasser und geboren vom Geist. So lautet das Thema der Generalkonferenz 2004. Wasser begegnet uns hier in Pittsburgh auf vielfältige Weise. Schon beim Landeanflug sahen wir das Stadtzentrum von Pittsburgh auf der Landzunge zwischen den zwei Flüssen Allegheny und Monongahela, die gemeinsam einen neuen dritten Fluss bilden, den Ohio-Fluss. Auch das neu errichtete Kongresszentrum am Flussufer war nicht zu übersehen.

Seit Konferenzbeginn stehen jeden Morgen einige Personen mit Wasserschalen vor dem Eingang, um uns an unsere Taufe zu erinnern. Andere Freiwillige bieten Wasserflaschen an mit der Aufschrift „H2O – Hearts to Open“ (Herzen zu öffnen) als Sinnbild für die
Aufforderung, dass die Methodisten ihre Herzen für homosexuelle Mitchristen öffnen sollen. Die Diskussion darüber läuft in dieser ersten Woche in den thematischen Untergruppen in offenem, respektvollem Dialog.In der zweiten Konferenzwoche findet die grosse Plenardebatte zu diesem Thema statt.

Die Eröffnung der Generalkonferenz erfolgte mit einem Abendmahlsgottesdienst. Die Predigt hielt der Vorsitzende des Bischofsrats, Bischof Rüdiger Minor (Eurasien). Die anschliessende Bischofsbotschaft stand unter dem Thema „Die neue Schöpfung und die Mission der Kirche“. Sie entfaltete die überwältigenden biblischen Bilder einer neuen Schöpfung, die die ganze Schöpfung, vom Universum bis ins mikroskopisch Kleine, umfasst. Die Kirche ist Trägerin und Vorgeschmack dieser neuen Schöpfung, die die Bibel verheisst. „Kehrt um und glaubt an die Gute Botschaft“ war die lebensverändernde Einladung, die Jesus brachte.
In vier Bereichen forderte die Bischofsbotschaft zu Umkehr auf, um die neuschaffende Kraft Gottes zu erfahren: im Bekenntnis, (1) die Erinnerung an Gottes grosse Taten in der Geschichte und besonders in Jesus Christus aus den Augen verloren zu haben, (2) abgestumpft zu sein gegenüber dem Leiden in der Welt, (3) entfremdet zu sein voneinander selbst unter Methodisten und zwischen christlichen Kirchen, (4) das Vertrauen in die Kraft der Liebe verloren zu haben. Solche Umkehr und Besinnung führt die Kirche zu neuem Vertrauen in Gottes Herrschaft in Jesus Christus, um Trägerin der Botschaft von der neuen Schöpfung zu sein.

Der Bischofsrat möchte im nächsten Jahrviert vier Themen in das Zentrum methodistischer Konferenzen stellen: „die neue Schöpfung und die Mission der Kirche“; „gesunde Lehre und ökumenische Gesinnung“; „persönliche und soziale Heiligung“; „aufeinander Acht haben in Liebe“.

Am zweiten Tag hielt eine Konferenzlaienführerin die Laienbotschaft und berichtete von
ihren Erfahrungen, nachdem sie den Wohnort wechselte und mit sieben anderen Familien eine neue methodistische Gemeinde gründete. Sie erzählte von der Herausforderung, ganz neue Wege der Gemeindearbeit zu wagen, und ermutigte, sich auf solche Veränderungen einzulassen, auch wenn nicht überall nach acht Jahren eine Gemeinde von 2'000 Mitgliedern entstehen wird.

In den Plenarsitzungen hat jede Delegation ihre festen Plätze. Auf allen Tischen lag zu Beginn ein methodistisches Gesangbuch und eine Ausgabe des dritten Bandes von „Global Praise“. Darin finden sich Lieder aus der ganzen Welt. Fast alle Länder unserer Zentralkonferenz sind darin vertreten. Sogar ein christliches Berberlied aus Algerien hat Eingang in das Liederheft gefunden.

Die weltweite Dimension der Kirche begegnet mir in diesen Tagen auf vielerlei Weise: beim Singen fremdsprachiger Lieder, bei der Aufforderung an Amerikaner, langsamer zu sprechen, damit die Übersetzer mithalten können, bei den farbigen Gewändern afrikanischer Frauen, beim russischen Segensgebet, bei Begegnungen mit Menschen anderer Kulturen. Gegenseitige Rücksichtnahme und der Versuch, möglichst gute, gemeinsame Wege zu finden, prägen viele Gespräche auch über strittige kirchliche Fragen. Das macht die Generalkonferenz zu einer spannenden und bereichernden Erfahrung.

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Auch in der aktuellen Ausgabe von kirche+welt:

- Hat Gewaltlosigkeit in der heutigen Zeit noch eine Chance?
- Wie eine Frau vom Kurs "Spiritualität im Alltag" berührt wurde
- Die Prioritäten der EMK in Ungarn

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Links:

Die Homepage der Generalkonferenz

Protokolle der Verhandlungen an der Generalkonferenz

Fotos der Generalkonferenz 2004 von David Bühler, Delegierter der EMK Schweiz-Frankreich



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