Kirche + Welt Internet Ausgabe

Kirche und Welt - Nr. 14/2004 Juli - 22.07.2004   Zurück zur Übersicht   Kirche und Welt abonnieren

Was steigert die Qualitäten von Veranstaltungen, stärkt die Kommunikation in Teams, beugt Konflikten vor und fördert Mitarbeitende in ihren Fähigkeiten?

Das Feedback

von Verena Volz

„Das hast du wieder einmal gut gemacht!“, „... war wirklich super!“, „Du bist einfach begabt für diese Aufgaben!“ – so oder ähnlich geben wir uns häufig eine Rückmeldung auf die Mitarbeit in der Gemeinde. Wenn es dann nicht so super war oder gar daneben ging, schweigen viele lieber. Manchmal ist es schwierig, mit diesen Situationen so umzugehen, dass die betroffene Person sich dadurch weiter entwickeln kann. Neben den gut gemeinten Komplimenten, dem hilflosen Schweigen oder dem Kritisieren gibt es eine Möglichkeit, sich gegenseitig zu fördern und zu unterstützen – unabhängig davon, ob das, was diese Person gemacht hat, gut oder schlecht war -, nämlich das Feedback.

Was ist ein Feedback?

Dieses Wort wird häufig verwendet, meist jedoch wird Kritik oder Bewertung darunter verstanden. Die meisten Menschen wissen nicht, dass ein Feedback klare Regeln hat, deren Beachtung vor gegenseitigem Verletzen schützt und das Lernen fördern soll. Es ist ein Instrument, das wie ein Spiegel gebraucht wird: eine Rückmeldung auf das, was geschehen ist. Wer eine Rückmeldung gibt, gibt etwas von sich selbst preis und zeigt etwas von der Wirkung: man legt die Rückmeldung im Wissen auf den Tisch: das Gegenüber darf in aller Freiheit daraus auswählen, was für ihn oder sie relevant ist. Wer eine Rückmeldung empfängt, hat die Chance, etwas zu verbessern oder verstärkt anzuwenden. Alle Beteiligten sollten die Regeln kennen, um Feedback zu geben und zu empfangen.

Wann kann ein Feedback angewendet werden?

In der Zusammenarbeit in einem Team oder wenn Einzelne Aufgaben in der Gemeinde wahrnehmen (Sitzungsleitungen, Gottesdienstmoderationen, als Gemeindeleitung vor der versammelten Gemeinde, Organisationsaufgaben, Gestaltung von Hauskreisabenden, Predigten, ....). Es kann gezielt nachgefragt werden zu einzelnen Bereichen von Aufgaben wie zum Beispiel: das Auftreten, das Leitungsverhalten, der Inhalt, der Umgang mit anderen etc.

Was ist in einem Feedback enthalten? Wie wird es angewendet?

- Es ist die subjektive Meinung der Person, die ein Feedback gibt – nicht etwa die absolute Wahrheit oder gar eine objektive Darstellung. Darum wird auch in der Ich-Form gesprochen. Weder die „Wir“-Form noch die „Man“-Form ist hilfreich. Wer ist denn „wir“ oder „man“? ... sind das viele oder wichtige Personen, die ganze Gemeinde? ... gibt es ungeschriebene Normen mit Anspruch auf Verbindlichkeit? „Man hat dir angemerkt, dass ...“ bringt nicht so viel wie „was du gesagt hast, hat bei mir bewirkt, dass ...“

- Feedback ist konkret – nicht verallgemeinernd. Darum ist es nützlich, zuerst die Situation zu beschreiben und dann eigene Wahrnehmungen und Eindrücke, auch Gefühle dazu zu formulieren.
- Es bezieht sich auf positive und negative Wahrnehmungen. Achten Sie einmal darauf, zu welchen Wahrnehmungen Sie ganz persönlich eher neigen – die andere Seite gilt es üben und bewusst anzubringen.
- Es bezieht sich auf das Verhalten - nicht auf die Persönlichkeit. Unsere Persönlichkeit zu verändern, ist viel schwieriger, als das Verhalten zu verändern. Und es ist ein Unterschied, ob ich sage: „Du bist eine dominante Sitzungsleiterin“ oder „Du bist mir jetzt zum dritten Mal ins Wort gefallen“.
- Es werden keine Analysen, Psychologisierungen oder Appelle geäussert. „Du hast das wahrscheinlich gemacht, weil ...“, „Das liegt bei euch ja in der Familie ...“, „Nächstes Mal solltest du unbedingt ...“ – gut gemeint, aber weder ausführliche Erklärungen noch tiefgründige Ratschläge sind hier von Bedeutung.

Was sollte dazu beachtet werden? Wie empfängt man ein Feedback?

- Ein Feedback muss gewollt sein. Es eröffnet eine Chance, aus dem Gehörten selbst zu entscheiden, in welchem Bereich eine Entwicklung möglich ist. Wer ein Feedback empfängt, sitzt nicht auf der Anklagebank.
- Wirklich bis zum Ende hinhören, eventuell sogar Notizen machen. Es ist wahrscheinlich, dass die Gedanken aus dem Gehörten „ein Sprungbrett machen“. Sie springen gerne in das Feld der Rechtfertigung, Verteidigung oder Argumentation. Es ist zwar verlockend, aber nicht nötig, aus dem Feedback einen Gesprächsdialog zu machen, in dem man zu den genannten Wirkungen Erklärungen abgibt. Nicht die Person, die ein Feedback gibt, soll etwas einsichtiger werden, sondern der Person, die durch die Rückmeldung einen Spiegel hingehalten bekommt.
- Rückfragen sind nützlich, nachdem das Gegenüber ausgeredet hat: „Hast du mir ein Beispiel dafür? Kannst du das näher erklären? Hast du einen Vorschlag, wie ich es das nächstes Mal anders machen könnte?“ Mit diesen Fragen kann ein Feedbackempfangender gezielt da einhaken, wo für ihn oder sie wesentliche Akzente gesetzt werden können.
- Wer ein Feedback empfängt, entscheidet frei, was er oder sie mit dieser Rückmeldung macht.
- Beim Abschluss einer Feedbackrunde gibt die Person, die ein Feedback empfangen hat, kurze Rückmeldung was es für sie bedeutet hat, wo etwas klar wurde oder sie weiterhin beschäftigt. In jedem Fall ist ein Dank von ihr angebracht, denn FeedbackgeberInnen haben sich intensiv zur Unterstützung investiert.

Wann darf ein Feedback nicht angewendet werden?

In einer angespannten Situation, in der eigentlich Kritik gefragt ist und Erwartungen, Wünsche oder Forderungen an die andere Person ausgesprochen werden sollten.

Welche Nebenwirkungen kann ein Feedback haben?

Wer ein Feedback erhält, erfährt mehr darüber, was er bewirkt hat, wie er wahrgenommen und erlebt wurde. Auf diese Art kann er dazu lernen, etwas verändern und sich in manchen Bereichen gezielt weiterentwickeln. Die Zusammenarbeit wird dadurch transparenter, die Kommunikation offener, die Beziehungen stabiler. Eine Feedback-Kultur in Teams und Beziehungen ist eine wirkungsvolle Konfliktprophylaxe.
Wer das Feedback gebraucht, um sich selbst in ein besseres Licht zu rücken oder andere zu verletzen, betreibt Missbrauch und versteht die Qualitäten und Chancen dieses Instruments nicht zu nutzen.
Zu häufige Anwendungen führen zu mangelnder Standfestigkeit oder Abhängigkeit nach Bestätigung.

Was ist ferner zu beachten?

Das Lesen dieser Beschreibung führt nicht zur gewünschten Wirkung. Dazu bedarf es der Anwendung durch Übungen in der Praxis.
Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Beauftragte für Bildung und Beratung: Verena Volz (Tel. 041 750 12 50 oder verena.volz@umc-europe.org).

Jetzt kirche+welt abonnieren mit dem rechts obenstehenden Link oder unter Tel. 01 986 35 81.

Auch in der aktuellen Ausgabe von kirche+welt:

-Am Wendepunkt: Distriktsvorsteher Walter Wilhelm zieht eine Zwischenbilanz
-Camp IV: Wenn Jugendliche ohne Essen und gesichertem Schlafplatz losziehen und ganz auf Gott vertrauen
-Brief aus Amerika - Welche Erfahrungen mit der EMK machte Pfarrer Walter Gaberthüel in Arizona?

Links:

Feedback-Regeln

Feedback und die Anwendung als Führungsinstrument

Gutes Feedback - Regeln für eine wirksame Rückmeldung



-----------
Bitte senden Sie Ihre Bemerkung an die folgende Mailadresse:
"redaktor at kircheundwelt punkt ch".