Kirche + Welt Internet Ausgabe

Kirche und Welt - Nr. 04/2004 Februar - 12.02.2004   Zurück zur Übersicht   Kirche und Welt abonnieren

Was halten Sie von Jesus und weshalb folgen Sie ihm?

von Claudia Haslebacher

«Hallo, hört alle gut zu! Es ist endlich so weit. Gott will jetzt an die Macht. Er übernimmt die Regierung unseres Landes. Er will alles zu Ende bringen, was er vor tausenden von Jahren mit dieser Welt angefangen hat. Deshalb müssen wir uns total ändern. Stellt euch darauf ein: Es wird alles anders!»

Wie reagieren Sie, wenn auf dem Marktplatz jemand steht und laut diesen Text allen zuruft? Gehen Sie auch vorbei und denken bei sich: «So ein Spinner»?

Dies ist die Botschaft - zugegeben, ein wenig adaptiert -, von der der Evangelist Markus meint, es sei die Botschaft Jesu gewesen. Nachzulesen ist sie im Originalwortlaut in Markus 1, Vers 15. Markus erzählt schon in den ersten drei Kapiteln seines Evangeliums alle möglichen Reaktionen darauf: Sie reichen von blindem Vertrauen über Staunen und Angst bis hin zum Beschluss, diesen Jesus von Nazareth zu beseitigen. Seine Familie dachte übrigens, Jesus sei verrückt geworden, und wollte ihn nach Hause holen. Es ist eine Botschaft, die Menschen zu extremen Reaktionen provoziert. Markus, der das alles aufgeschrieben hat, ist selber kein Zeitgenosse Jesu. Er hat aber Jünger von Jesus gekannt, er ist durch ihre Verkündigung Christ geworden, und er ist dem nachgegangen, was sie gepredigt und erzählt haben, und hat es aufgeschrieben. Was hält Markus von Jesus? Wer ist Jesus für ihn? Markus braucht für Jesus verschiedene Titel und Beschreibungen: Er nennt ihn denjenigen, der von den Schriften verheissen wurde, den Gesandten Gottes, Gottes Sohn, Messias, den Herrn und stellt ihn dar als einen, der das Leben der Menschen über Regeln und Gesetze stellt, als einen, der am Sabbat in die Synagoge geht, wie ein frommer Jude und vollmächtig redet. Er stellt ihn dar als einen Menschen mit Gefühlen: Jesus hat Mitleid mit einem Aussätzigen, er ist zornig und gleichzeitig traurig über die Sturheit der Schriftgelehrten und hat doch göttliche Vollmacht, die den bösen Mächten befiehlt. Es ist eindeutig: Für Markus war der Handwerkerssohn aus Nazareth, Jesus, absolut einzigartig!

Genau das hat immer schon verschiedenste Reaktionen provoziert. Jesus und die Evangelien werden in Frage gestellt oder als mehr oder weniger gut erfundene Märchen hingestellt. Jedes Jahr erscheint in mindestens einer auflagenstarken Zeitschrift ein Artikel über Jesus, je nach Blatt sehr fundiert oder schludrig recherchiert und geschrieben. «Spiegel», «Facts», «GEO»... alle haben etwas dazu zu sagen. Und was sagen Sie dazu?

Wo alle zu wissen meinen, was ich nicht glauben soll - weil es eh erfunden sei -, muss ich erst recht wissen, woran ich glaube. Und ich muss diesen, meinen persönlichen Glauben selber formulieren und begründen können. Können Sie das? Versuchen Sie es einmal. Nehmen Sie sich nach der Lektüre dieses Artikels fünf Minuten Zeit und formulieren Sie Ihr ganz persönliches Glaubensbekenntnis so, dass Sie es einer anderen Person auch verständlich sagen können. Was halten Sie von Jesus, und weshalb folgen Sie ihm?

________

Auch in der neusten Ausgabe von kirche+welt:

"Ich bin ein leiser Mensch" - Das grosse Interview mit Marta Bolleter

Mehr Engagement für unsere Welt - Berichte aus allen drei Distriktstagen

Brief aus Arizona - Wo früher Atomraketen lagerten, steht heute eine Kirche der EMK

Links:

Bibelstelle von Markus 1, Vers 15

Eine Predigt von Matthias Fankhauser zum Thema Nachfolge

Das apostolische Glaubensbekenntnis

Ein Kurs des Bildunswerks der EMK Deutschland zu Nachfolge

Katholische Website mit Anregungen für die Formulierung des persönlichen Glaubensbekenntnisses



-----------
Bitte senden Sie Ihre Bemerkung an die folgende Mailadresse:
"redaktor at kircheundwelt punkt ch".