Kirche + Welt Internet Ausgabe

Kirche und Welt - Nr. 07/2004 April - 08.04.2004   Zurück zur Übersicht   Kirche und Welt abonnieren

Zwei Artikel zur aktuellen kirche+welt-Ausgabe: Der ganze Text der erweiterten dreiteiligen Serie von Felix Wilhelm-Bantel. Und ein Auszug eines Beitrags von Markus Lindemann zum Thema Kremation und Erdbestattung.

Judas Iskariot in den Evangelien / Kremation oder Erdbestattung?

von Felix Wilhelm-Bantel

Er gehört nicht zu den zentralen Gestalten im Neuen Testament. Gleichwohl zieht er unsere Aufmerksamkeit auf sich. Denn er ist eine Figur, die mit ihrer Unergründlichkeit viele Fragen weckt.

Judas Iskariot hat selber keine eigenen Spuren hinterlassen. Interessant wäre, wenn ein persönlicher Bericht von Judas erhalten wäre, in dem er seine Geschichte mit Jesus von Nazareth beschrieben hätte. Aber so etwas gibt es nicht. Wir lesen in der Bibel nur, was andere über ihn geschrieben haben.

Das hat Konsequenzen. Nämlich: Je nach dem, mit welchem Vorurteil Sie die Bibel zur Hand nehmen, werden Sie Judas Iskariot unterschiedlich bewerten. Wer die Bibel als ein Buch liest, das Gott wörtlich inspiriert hat, macht sich ein anderes Bild als jene, die bedenken, dass im Neuen Testament Spuren davon finden lassen, wie die allerersten Christinnen und Christen die Figur des Judas ins Evangelium von Jesus Christus eingeordnet haben. Ich selber gehe davon aus, dass sich im Neuen Testament ein solcher Prozess beobachten lässt.

Der wird zuerst fassbar in den ältesten Texten des Neuen Testaments, in den Briefen von Paulus. Das älteste Evangelium, jenes nach Markus, verbreitert die Kunde von Judas. Über die Evangelien von Matthäus und Lukas verfolgen wir die Entwicklung bis zum Johannesevangelium, dem jüngsten Text, der Judas erwähnt. Von da an schweigen die biblischen Quellen zu Judas. Aber Judas wird nicht vergessen! Da und dort taucht er in der Theologie wieder auf, und das auf ganz unterschiedliche Weise. Diese Perspektive sprengt jedoch den Rahmen dieser Arbeit und soll darum am Ende nur kurz mit einigen Beispielen skizziert werden.

Das griechische Wort für "verraten", "ausliefern"

Wenn im Neuen Testament Judas Iskariot erwähnt wird, dann meist mit der Ergänzung "der ihn (gemeint ist Jesus) verriet" oder "der ihn auslieferte". Je nach deutscher Übersetzung lautet das Wort unterschiedlich. Im Folgenden halte ich mich an den deutschen Wortlaut der Lutherbibel (L) oder der Einheitsübersetzung (EÜ).

Was lässt sich zu dem griechischen Wort sagen, das mit "verraten" und "ausliefern" übersetzt wird?

Im Neuen Testament findet sich für die beiden deutschen Worte "ausliefern" und "verraten" nur ein griechisches Wort: paradidonai. Dieses kommt im Neuen Testament sehr häufig vor. Es ist in der griechischen Sprache überhaupt ein viel gebrauchtes Wort mit vielen verschiedenen Bedeutungen. Paradidonai kann je nach Zusammenhang übersetzt werden mit: überliefern, übergeben, weitergeben, ausliefern, überlassen, anbefehlen, anheim stellen, mitteilen, erzählen, lehren, zugeben, erlauben und weiteren Möglichkeiten, eben auch mit verraten.
Das mag auf den ersten Blick verwirren. Denken Sie aber zum Vergleich an unser deutsches Wort "machen". Für wie viele verschiedene Tätigkeiten brauchen wir dieses Wort in unserer Umgangssprache! Wie oft wurden Sie in der Schulzeit aufgefordert, das Allerweltswort "machen" zu meiden und ein Wort zu wählen, das die gemeinte Tätigkeit präziser bezeichnet!
So etwa können Sie sich den Gebrauch des griechischen Wortes paradidonai vorstellen.

Etwa bei der Hälfte aller Stellen, wo paradinonai im Neuen Testament vorkommt, steht es in direkter Beziehung zu Jesus und seinem Geschick, das zu seinem Tod am Kreuz führte. Einerseits finden wir, wenn Judas Iskariot erwähnt wird, wie gesagt, die Bemerkung: "der ihn verriet". Anders herum erscheint paradidonai oft in Verbindung mit dem Hoheitstitel "Menschensohn": Der Menschensohn muss ausgeliefert, übergeben werden.
Diese Beobachtungen erlauben den Schluss: Im Neuen Testament bekommt das Wort paradidonai einen engen Bezug zum Geschick von Jesus, das zum Tod am Kreuz führt. Es wird gewissermassen zum Standardbegriff dafür. Dieses eine Wort bezeichnet die ganze Geschichte.

Der Vollständigkeit halber dürfte Sie vielleicht interessieren, wo und wie das Wort paradidonai im Neuen Testament ohne diesen Bezug zu Jesus Christus vorkommt. Hier einige Beispiele:

- Lk 1,2: Lukas bezieht sich in seinem Evangelium auf Berichte, die andere überliefert haben.
- Mt 5,25: Jesus sagt: "… damit dich der Gegner nicht dem Richter überantworte und der Richter dem Gerichtsdiener und du ins Gefängnis geworfen werdest." (L)
- Mt 10,21: Jesus sagt: "Brüder werden einander dem Tod ausliefern … (EÜ)
- 1.Kor 11,2: Paulus schreibt: "Ich lobe euch, dass ihr … an den Überlieferungen festhaltet, …"

Beachtenswert sind in diesem Zusammenhang auch folgende Beispiele:

- Mt 11,27: Jesus sagt: "Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden …"
- Joh 19,30: (EÜ)… Und er neigte sein Haupt und gab seinen Geist auf (das meint: er übergab seinen Geist dem Vater).
(L)… und neigte sein Haupt und verschied.
- Apg 15,26: Barnabas und Paulus werden als Männer bezeichnet, die ihr Leben für den Namen Jesu Christi eingesetzt haben.
- Gal 2,20: Paulus bekennt: "… Soweit ich aber jetzt noch in dieser Welt lebe, lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat."
- 1.Kor 11,23 Paulus schreibt: "Denn ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe: Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte …" (EÜ)
L verwendet hier die Worte "weitergeben" und "verraten".
- Rö 8,32: "Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?"

Judas Iskariot in den Briefen von Paulus

Die ältesten Schriften des Neuen Testaments sind die Briefe von Paulus. Auffälligerweise wird Judas Iskariot in diesen Texten nie namentlich erwähnt. Dass Jesus je nach Übersetzung verraten, überliefert, ausgeliefert wurde, verschweigt Paulus nicht, wie die oben genannten Beispiele zeigen. Aber er nennt nie genauere Umstände, wie das geschehen sein soll, nicht einmal andeutungsweise.

Hat Paulus dazu nichts Näheres gewusst? Oder wollte er die Geschichte von Judas nicht breitschlagen? Oder kommt es ihm, weil er theologisch argumentiert, mehr auf die Tatsache an, dass Jesus gewaltsam umgebracht wurde, als auf die genaueren Umstände, die dazu führten? Wobei gerade für einen Paulus theologisch doch einiges zu überlegen gewesen wäre im Blick auf die Person, die Jesus verraten hat!

Über solche Fragen lässt sich reichlich spekulieren. Letztlich müssen wir eingestehen: Wir wissen keine Antworten darauf, weil Paulus sich nicht dazu äussert. Immerhin scheint es mir wert, zwei Beobachtung festzuhalten: Erstens hat Paulus das Wort "paradidonai" im Zusammenhang mit dem Geschick von Jesus bereits als feststehenden Standardbegriff kennen gelernt und übernommen. Darauf weist die Art und Weise hin, wie er davon Gebrauch macht. Und zweitens verwendet Paulus zwar den Standardbegriff paradidonai, aber er nennt dabei den Namen von Judas nicht. Das dürfte darauf hindeuten, dass er der Person von Judas in der Geschichte Gottes und seines Christus mit den Menschen keine wesentliche Bedeutung beimisst.

Die Evangelien halten den Stand der Überlieferung von Jesus Christus zu einem bestimmten Zeitpunkt fest, wie er in einer bestimmten Gemeinde oder Gegend bekannt war. Zwischen Ostern und ihrer schriftlichen Fixierung wurden die Geschichten von Jesus vermutlich nur mündlich überliefert. Die Jünger waren wichtige Zeugen der Überlieferung. Während dieser Zeit wurde an der Form geschliffen, Lokalkolorit und Nebensächlichkeiten gingen verloren, theologische Inhalte wurden herausgearbeitet.

Das Markusevangelium hat etwa 40 Jahre nach Ostern die Überlieferungen von Jesus als erstes schriftlich festgehalten. Ein, zwei Jahrzehnte später liegen dann die Evangelien von Lukas und Matthäus schriftlich vor. Sie stimmen zum Teil bis in den Wortlaut mit dem Markusevangelium überein. Abweichungen der beiden vom Markustext können darum auf andere Informationsquellen bzw. auf andere Überlieferungen hinweisen oder sie lassen erkennen, dass Matthäus und Lukas und die Gemeinden, für die sie schreiben, über den Bericht von Markus hinaus Genaueres wissen und Antworten auf ihre Fragen bekommen wollen. Insbesondere bei der Figur des Judas lässt sich dieser Prozess gut beobachten. Das Johannesevangelium schliesslich zeigt im Vergleich zu den ersten drei Evangelien einen ganz eigenen Charakter. Auch da wird interessant sein, darauf zu achten: Wo und wie hat sich die Überlieferung von Judas anders oder weiterentwickelt.

Markusevangelium

Im Markusevangelium wird Judas Iskariot zum ersten Mal in 3,19 erwähnt. In der Liste der zwölf Jünger wird er als Letzter genannt und grad von Anfang an als der bezeichnet, "der ihn dann verraten hat."

Der Beiname Iskariot kann laut dem Nachschlagewerk "Religion in Geschichte und Gegenwart" (RGG4) auf drei Arten gedeutet werden:
Iskariot könnte mit dem lateinischen Wort sicarius ("Dolchmann") zusammenhängen und darauf hindeuten, dass Judas mit den Zeloten in Verbindung stand. Sicarier aus ihren Reihen erdolchten Exponenten der römischen Besatzungsmacht. Iskariot könnte andererseits mit einem aramäischen Wort verwandt sein, das "der Falsche" bedeutet. Dann würde der Beiname auf den Verrat hindeuten und dürfte Judas nachträglich angehängt worden sein. Schliesslich könnte Iskariot von der hebräischen Bezeichnung "Mann aus Kerijot" abgeleitet sein. Ein Ort namens Kerijot ist in Juda bekannt. Judas wäre dann, soweit bekannt, der einzige Judäer im Zwölferkreis. Dieses Verständnis verdient am meisten Glaubwürdigkeit.

Erst in Mk 14,10f erscheint Judas wieder namentlich erwähnt:

"Judas Iskariot, einer der Zwölf, ging zu den Hohenpriestern. Er wollte Jesus an sie ausliefern. Als sie das hörten, freuten sie sich und versprachen, ihm Geld dafür zu geben. Von da an suchte er nach einer günstigen Gelegenheit, ihn auszuliefern." (Einheitsübersetzung EÜ)
Es fällt auf: Markus nennt keine Begründung und keine Absicht, weshalb Judas Jesus ausliefern/verraten wollte. Es ist bemerkenswert, dass Markus nicht mehr dazu sagt und keine Erklärung versucht. Er hat vermutlich diese Lücke entweder nicht als solche empfunden oder dieser Aspekt der Sache war ihm nicht wichtig. Er stellt einfach fest: Judas wollte Jesus ausliefern.

In Mk 14,17ff deutet Markus etwas mehr zu den Hintergründen des Verrats an:

"Als es Abend wurde, kam Jesus mit den Zwölf. Während sie nun bei Tisch waren und assen, sagte er: "Amen, ich sage euch: Einer von Euch wird mich verraten und ausliefern, einer von denen, die mit mir essen." Da wurden sie traurig und einer nach dem andern fragte ihn: "Doch nicht etwa ich?" Er sagte zu ihnen: "Einer von euch Zwölf, der mit mir aus derselben Schüssel isst. Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift sagt. Doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird. Für ihn wäre es besser, wenn er nie geboren wäre."
(EÜ)

Nach Markus deckt Jesus unmittelbar vor dem Abendmahl den Verrat auf, ohne Judas direkt als Verräter zu bezeichnen. Markus lässt offen, ob Jesus weiss, wer ihn verraten wird. Die Jünger fragen einer nach dem andern: "Doch nicht etwa ich?" Keiner der Zwölf kann sich von vorneherein davon ausnehmen, zum Verräter an Jesus zu werden, scheint Markus damit sagen zu wollen.

Dass einer aus dem Zwölferkreis Jesus verraten hat, wird (ohne die Bibelstelle zu nennen) mit Ps 41, 9-10 in Verbindung gebracht. Dort heisst es: "Auch mein Freund, dem ich vertraute, der mein Brot ass, hat gegen mich geprahlt." (EÜ). Hat sich Jesus damals selber auf Ps 41 bezogen oder hat Markus beim Schreiben seines Evangeliums diesen Bezug hergestellt? Ist ihm die Geschichte schon so überliefert worden? Oder könnte Ps 41,10 damals wie ein Sprichwort von der möglichen Untreue engster Freunde gebraucht worden sein? "Es ist bemerkenswert, dass in den Psalmen Qumran der Lehrer der Gerechtigkeit mit den gleichen Psalmworten Klage führt: (Alle die) mein Brot assen, kehrten mir den Rücken." (Zit. nach Joachim Gnilka, Das Evangelium nach Markus, Benziger-Verlag, Zürich 1979 - EKK II/2 S 237)
Wie dem auch sei: Markus bietet damit eine Erklärung für den Verrat an: Der Verrat (des Judas) werde schon in den prophetischen Schriften, und als solche gelten die Psalmen damals, vorausgesagt. Der Verrat sei gemäss dem Schema "Verheissung – Erfüllung" geschehen.
Damit bekommt der Verrat den Charakter einer unabänderlichen Tat. Die EÜ unterstreicht dieses Verständnis, indem sie formuliert: "Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen." Was bedeutet das aber für den Menschen Judas Iskariot, fragen wir heute? Heisst das, Judas hatte letztlich keine andere Wahl? Er muss tun, was er tut, selbst wenn er nicht wollte? Oder will er tatsächlich auch selber, was er tun "muss"? Wofür kann er verantwortlich gemacht werden?

Das Markusevangelium äussert sich nicht zu diesem Problem. Es wird auch nicht klar, ob sich Markus und mit ihm die Christinnen und Christen, für die er das Evangelium aufschreibt, dieses Problem überhaupt sehen. Das Fluchwort "Doch weh dem Menschen …" verstärkt die Irritation über die scheinbar unausweichliche Lage von Judas zusätzlich, mindestens für uns heutige Leserinnen und Leser. Ohne Kommentar dazu führt das Markusevangelium den Bericht mit dem Abendmahl weiter. So miteinander essen ist damals Ausdruck für grosse Nähe und enge Vertrautheit. Judas isst mit! Und Markus enthält sich auch dazu jeder Bemerkung! Weder erfahren wir, was er als Evangeliumsschreiber davon hält. Noch lesen wir etwas davon, was die Christinnen und Christen, die diese Episode bis zur Niederschrift des Markusevangeliums überliefert haben, dazu denken.

In Mk 14,41ff wird die Ausführung des Verrats berichtet. Judas wird da zum letzten Mal erwähnt. Und es fällt auf, dass Markus von seinem Tod nichts berichtet. Dieses zurückhaltende Interesse an der Person von Judas erinnert an Paulus und seinen Umgang mit dem Verrat an Jesus: Die Tat ist wichtiger als die Person und das Geschick des Täters.

Matthäusevangelium

Das Matthäusevangelium erzählt in 26,15 ein wenig anders von der Vorbereitung des Verrats als Markus (Mk 14,10f): Da geht Judas Iskariot zu den Hohenpriestern und sagte: "Was wollt ihr mir geben, wenn ich euch Jesus ausliefere?" Und sie zahlten ihm dreissig Silberstücke. Von da an …
Nach Matthäus fordert Judas also eine Gegenleistung von den Hohenpriestern für den Verrat. Er nimmt nicht einfach, was er bekommt. Der Wert von dreissig Silberstücken ist für den Moment unerheblich, weil die Zahl offensichtlich mit Sach 11,12f zusammenhängt. Dort ist nachzulesen, dass der Prophet als Lohn für seine Dienste als Schafhirt dreissig Silberstücke erhält und diese auf Gottes Geheiss in den Tempel bringen muss. Mt 27,9 macht auf diesen Zusammenhang aufmerksam. Dass der Dienst des Propheten Sacharja von ganz anderer Art ist als der Verrat von Judas, darüber macht sich Matthäus keine Gedanken. Nichts deutet darauf hin, dass er sich bewusst ist, wie problematisch es sein könnte, wie er an dieser Stelle die Bibel zitiert.

In der Szene, wo Jesus den Verrat aufdeckt (Mt 26,20-25), erwähnt Matthäus, anders als Markus, dass auch Judas fragt: "Bin ich es etwa, Rabbi?" Jesus sagte zu ihm: "Du sagst es."
Während die anderen Jünger fragen: "Bin ich es, Herr?" fragt Judas: "Bin ich es, Rabbi?" Die anderen Jünger reden Jesus mit dem Hoheitstitel "Herr" an, Judas "nur" als "Rabbi". Matthäus signalisiert damit, dass Judas seiner Meinung nach Jesus nicht als Messias anerkennt. Judas erscheint als einer, der sich von Jesus distanziert. Trotzdem nimmt er am Abendmahl teil. Oder anders herum gesagt: Trotzdem lässt ihn Jesus am Abendmahl teilhaben. – Und Matthäus kommentiert dies nicht.

Matthäus erzählt in Mt 27,3-10 von den Folgen des Verrats für Judas:

"Als nun Judas, der ihn verraten hatte, sah, dass Jesus zum Tod verurteilt war, reute ihn seine Tat. Er brachte den Hohenpriestern und den Ältesten die dreissig Silberstücke zurück und sagte: "Ich habe gesündigt, ich habe einen unschuldigen Menschen ausgeliefert." Sie antworteten: "Was geht das uns an? Das ist deine Sache." Da warf er die Silberstücke in den Tempel; dann ging er weg und erhängte sich.
Die Hohenpriester nahmen die Silberstücke und sagten: "Man darf das Geld nicht in den Tempelschatz tun; denn es klebt Blut dran." … (EÜ)
Matthäus schreibt von Reue des Judas. Gemäss Matthäus bekennt sich Judas schuldig. Matthäus verwendet dazu Worte, wie sie ähnlich der "verlorene Sohn" in Lk 15 spricht.
Offen bleiben die Fragen: Ist die Reue echt? Könnte ihm die Schuld vergeben werden?
Matthäus stellt diese Fragen gar nicht und beantwortet sie auch nicht.
Bei den Hohenpriestern findet er offensichtlich kein Verständnis. Und bei Gott? Darf die Darstellungsweise von Matthäus so verstanden werden, dass Judas von niemandem den Zuspruch bekommt, dass seine Reue angenommen wird?
Es könnte sein, dass Matthäus sagen will: Indem sich Judas erhängt, erfülle sich die Verfluchung durch Jesus (Mt 26,24). Die Feststellung in 5.Mo 21,22f wird Matthäus und seinem Leserkreis bekannt sein: "Ein Gehängter ist von Gott verflucht." Die Überzeugung, Judas sei verflucht, führte in Verbindung mit 5.Mose 21 möglicherweise dazu, dass Matthäus berichtet, Judas habe sich erhängt. Etwas anderes hätte er sich vielleicht auch nicht vorstellen können. Allerdings, und das ist unbedingt festzuhalten, allerdings stellt Matthäus diese Zusammenhänge nicht ausdrücklich her, obwohl er sonst oft Bibelstellen anführt, um darzulegen, dass das Erzählte mit der alttestamentlichen Botschaft vereinbar ist. Möglicherweise wusste 50 Jahre nach diesen Ereignissen niemand, was genau mit Judas weitergegangen ist. Wie bei Paulus und Markus zu beobachten ist, scheint das bei den ersten Christinnen und Christen auch nicht von wesentlicher Bedeutung gewesen zu sein.

Im Lukasevangelium wird Judas Iskariot nur als Letzter in der Reihe der Apostel Lk 6,16 und dann erst wieder in Lk 22 erwähnt, wo es um die Ausführung des Verrats geht. Wer genau hinschaut, dem fällt auf, dass Lk 6,16 anders formuliert als Matthäus und Markus. Lukas braucht ein anderes Wort für "verraten" und schreibt zu Judas: "der zum Verräter wurde". Das könnte darauf hindeuten, dass in den Augen von Lukas Judas Iskariot nicht von Anfang an schon die problematische Figur im Kreis der 12 Jünger war. Es könnte nach Meinung von Lukas einen Moment gegeben haben, wo Judas wie umgefallen oder anders "programmiert" worden ist. Lk 22,3f nennt so eine Situation: "Der Satan aber ergriff Besitz von Judas, genannt Iskariot, der zu den Zwölfen gehörte. Judas ging zu den Hohenpriestern und den Hauptleuten und beriet mit ihnen, wie er Jesus an sie ausliefern könnte." (alle Bibelzitate nach der Einheitsübersetzung)
Lukas bringt mit dieser Darstellung eine neue Dimension ins Spiel: Den Satan bzw. den Teufel. Lukas deutet die Geschichte des Verrats an Jesus also in der Art, dass Judas nicht aus eigenem Antrieb handelt. Das lässt die Geschichte in einem anderen Licht erscheinen: Judas wird zum Werkzeug des Satan. Gegner von Jesus sind in diesem Moment nicht nur Menschen. Nun ist für den Teufel die "gelegene Zeit" gekommen (vgl. Lk 4,13).

Für uns stellen sich dazu mindestens folgende Fragen: Wie kommt Lukas dazu, an dieser Stelle vom Satan zu reden? Und was bedeutet es für die Verantwortung, die Judas selber tragen muss, wenn der Satan ins Spiel kommt?

Für Lukas scheinen sich beide Fragen nicht zu stellen. Er gibt keine Erklärungen dazu. Wir können also in dieser Sache nur Mutmassungen anzustellen!
Zur ersten Frage: Es könnte gesagt werden: Lukas bringt den Satan ins Spiel, weil er sich entsprechend inspirieren liess. Wenn dem so wäre, wäre zu fragen: Warum wissen Matthäus und Markus davon nichts? Hat die Inspiration ihnen etwas vorenthalten? Oder haben sie diese Sache überhört? – Beides keine besonders glaubwürdigen Überlegungen!
Mir liegen andere Gedanken näher: Die Kreise, für die das Lukasevangelium geschrieben ist, haben eine etwas andere Vorstellung vom Teufel bzw. Satan und von der Auseinandersetzung zwischen Jesus und dem Teufel als die Gemeinden, für die das Matthäus- und Markusevangelium geschrieben sind. Darum dürfte für sie nicht genügt haben, was sie vom Markusevangelium kennen. Da muss doch noch eine andere Macht im Spiel gewesen sein!

Zur zweiten Frage: Lukas scheint Judas die volle Verantwortung für sein Tun zu belassen. Einmal überliefert er wie Markus und Matthäus das Fluchwort über den Verräter: Lk 22,21f: "Doch seht, der Mann, der mich verrät und ausliefert, sitzt mit mir am Tisch. Der Menschensohn muss zwar den Weg gehen, der ihm bestimmt ist. Aber weh dem Menschen, durch den er verraten wird." Und zum Anderen schreibt Lukas in Apg 1,18ff von einem grausigen Tod des Judas, von einem Tod, der einem Gottesurteil gleichkommt: "Mit dem Lohn für seine Untat kaufte er (Judas) sich ein Grundstück. Dann aber stürzte vornüber zu Boden, sein Leib barst auseinander, und alle Eingeweide fielen heraus. Das wurde allen Einwohnern von Jerusalem bekannt; darum nannten sie jenes Grundstück in ihrer Sprache Hakeldamach, das heisst Blutacker."
(Wir bemerken, dass Lukas und Matthäus die Art des Todes von Judas unterschiedlich beschreiben. Dieser Widerspruch lässt sich nicht auflösen. Immerhin lassen beide Evangelien erkennen, dass die Todesart von Judas auf seine Verworfenheit hinweisen soll.)

Das Johannesevangelium unterscheidet sich in vielem von den drei anderen neutestamentlichen Evangelien. Das kommt auch darin zum Ausdruck, wie das Johannesevangelium Jesus und Judas darstellt.
Joh 6,64 : "…Jesus wusste nämlich von Anfang an, welche es waren, die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde." – Diese Aussage wirft ein Licht auf die Vorstellung von Jesus, wie sie im Johannesevangelium zur Sprache komm: Jesus ist der überlegene Gottessohn, der alles weiss, alles bestimmt, alle Wege bewusst geht.
Dagegen wird Judas grad von Anfang an als Teufel bezeichnet, nicht nur vom Teufel bestimmt: Joh 6,70f: "Habe ich nicht euch, die Zwölf, erwählt? Und doch ist einer von euch ein Teufel. Er sprach von Judas, dem Sohn des Simon Iskariot; denn dieser sollte ihn verraten, einer der Zwölf."
Die grundsätzliche Bosheit des Judas wird im Johannesevangelium an seiner Einstellung zum Geld dargestellt: Joh 12,3ff : "Da nahm Maria ein Pfund echtes, kostbares Nardenöl, salbte Jesus die Füsse und trocknete sie mit ihrem Haar. Das Haus wurde vom Duft des Öls erfüllt. Doch einer von seinen Jüngern, Judas Iskariot, der ihn später verriet, sagte: "Warum hat man dieses Öl nicht für 300 Denare verkauft und den Erlös den Armen gegeben?" Das sagte er aber nicht, weil er ein Herz für die Armen gehabt hätte, sondern weil er ein Dieb war; er hatte nämlich die Kasse und veruntreute die Einkünfte."
Trotzdem handelt nach dem Verständnis des Johannesevangeliums Judas nicht allein, wenn er Jesus verraten wird. Da hat auch der Teufel die Hände im Spiel: Joh 13,2: "Es fand ein Mahl statt, und der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, schon ins Herz gegeben, ihn zu verraten und auszuliefern."
Nach der Fusswaschung deckt Jesus den Verrat von Judas auf: Joh 13,18ff. "Ich weiss wohl, welche ich erwählt habe, aber das Schriftwort muss sich erfüllen: „Einer, der mein Brot ass, hat mich hintergangen.“
Ich sage es euch schon jetzt, ehe es geschieht, damit ihr, wenn es geschehen ist, glaubt: Ich bin es. ...“ Nach diesen Worten war Jesus im Innersten erschüttert und bekräftigte: „Amen, amen, das sage ich euch: Einer von euch wird mich verraten.“
Die Jünger blickten sich ratlos an, weil sie nicht wussten, wen er meinte.
Einer von den Jüngern lag an der Seite Jesu; es war der, den Jesus liebte.
Simon Petrus nickte ihm zu, er solle fragen, von wem Jesus spreche. Da lehnte sich dieser zurück an die Brust Jesu und fragte: „Herr, wer ist es?“ Jesus antwortete: ”Der ist es, dem ich den Bissen Brot, den ich eintauche, geben werde.“ Dann tauchte er das Brot ein, nahm es und gab es Judas, dem Sohn des Iskariot. Als Judas den Bissen Brot genommen hatte, fuhr der Satan (satanas) in ihn. Jesus sagte zu ihm: „Was du tun willst, tue bald!“ Aber keiner der Anwesenden verstand, warum er das sagte. Weil Judas die Kasse hatte, meinten einige, Jesus wolle ihm sagen: „Kaufe, was wir zum Fest brauchen!“ oder Jesus trage ihm auf, den Armen etwas zu geben. Als Judas den Bissen Brot genommen hatte, ging er sofort hinaus. Es war aber Nacht. Als Judas hinausgegangen war, sagte Jesus: "Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht, und Gott ist in ihm verherrlicht.""
Joh 13,18 bezieht sich Johannes wie Matthäus auf Ps 41,10. Es fällt auf, wie souverän Johannes das Handeln Jesu darstellt. Judas dagegen wird vom Teufel gepackt, als er von Jesus den Bissen Brot bekommt, nicht etwa erfüllt vom Geist Christi. Er geht hinaus in die Nacht, dahin, wo das Dämonische, das Böse sein Unwesen treibt. Und mit der Trennung von Judas fällt die Hülle ab, die die Herrlichkeit Jesu bis dahin bedeckt gehalten hat. Judas dagegen ist für das Johannesevangelium unrettbar verloren: "Und ich habe sie behütet, und keiner von ihnen ist verloren gegangen, ausser dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfüllt." (Joh 17,12).
Dass Judas verloren sei, wird in Joh 18,9 noch einmal gesagt. Voraus geht die Szene, in der Judas Jesus verrät. Judas stellt sich dabei nicht zu Jesus, um ihn zu küssen. Er bleibt bei den Soldaten und Gerichtsdienern stehen, bei den Feinden von Jesus (Joh 18,5). Jesus gibt sich ihnen selber zu erkennen, wie es eben dem Jesusbild des Johannesevangeliums entspricht.

Judas als theologisches Problem

Rund um den ‘Fall Judas’ stellen sich einige theologische Fragen:

· Handelte Judas aus eigenem Willen oder war er ‘Werkzeug’ in Gottes Heilsplan? Damit verbunden sind die Fragen: Ist Judas schuldig? Inwiefern hat sich Judas schuldig gemacht? Hätte Judas Jesus auch nicht verraten und ausliefern können?
· Wenn Judas schuldig geworden sein kann: Kann bzw. könnte ihm die Schuld vergeben werden? Was ist stärker: die Bosheit eines Menschen (wenn Judas als schuldfähig angesehen wird) oder die Gnade Gottes, wie sie im Erlösungswerk Christi zum Ausdruck kommt?
· Wenn Judas "nur" Werkzeug im Heilsplan Gottes ist und doch in alle Ewigkeit verdammt wird, stellt sich die Frage nach Gottes Gerechtigkeit: Ist das gerecht? Was ist das für eine Gerechtigkeit?
· Im Blick auf das Lukas- und noch viel mehr im Blick auf das Johannesevangelium ist zu fragen: Wer setzt sich letztlich durch: Gott oder der Teufel? Und was bedeutet das für den Menschen Judas Iskariot?
· Wie weit reicht Gottes Gnade und Bereitschaft, Sünden zu vergeben? Könnte auch Judas Vergebung zuteil werden? Wenn Jesus gekommen ist, die Sünder zu retten, kann er Judas als einzigen von der Erlösung ausschliessen?
· Wenn Judas vergeben werden könnte, wäre das nicht eine offene Tür für den Glauben an die sog. Allversöhnung?
· Schliesslich laufen all die Fragen darauf hinaus: Was für einen Gott bzw. was für ein Gottesbild haben wir? Von was für einem Gott reden die biblischen Schriften? An was für einen Gott glauben wir?
· Im Vergleich der drei ersten mit dem Johannesevangelium stossen wir auf die Frage: Was hat Jesus gewusst? Wie war seine Beziehung zu Judas? Er hat ihn doch wie die anderen erwählt?
Und wenn Jesus von Anfang an gewusst haben sollte, was Judas am Ende tun wird, wie hat er die Beziehung zu Judas gestaltet und gelebt? Wie konnte er es mit Judas in seiner nächsten Nähe aushalten?

Die Bibel gibt auf alle diese Fragen keine eindeutigen Antworten, z.T. nicht einmal ansatzweise. Diese Fragen beschäftigen die Menschen erst im Nachhinein, wenn es darum geht, vom 'Fall Judas' zu erzählen und ihn als ein Stück Glaubensüberlieferung zu behalten und zu bewältigen.

Es ist zu würdigen, dass die biblischen Schriften das Problem Judas nicht unterschlagen oder schönreden. Sie halten das Sperrige und Rätselhafte der Geschichte fest, ohne ein abschliessendes Urteil abzugeben.

Auch unsere Deutungsversuche sollen als solche erkennbar sein. Nicht alles, was wir meinen, lässt sich am Bibeltext festmachen. Nicht alles, was wir aus den biblischen Texten ableiten, ist deswegen biblisch. Gerade die unheilvollen Geschichten, die sich aus der Identifikation von Judas mit dem Teufel und den Juden ergeben haben, mahnen diesbezüglich zu kritischer Vorsicht gegenüber dem Bedürfnis, Antworten auf die Fragen, auf die zugegebenermassen unbequemen und drängenden Fragen zu wissen.

Ein Blick auf die Wirkungsgeschichte

An den Evangelien wird die Tendenz erkennbar, dass sich das Judasbild im Lauf der Zeit verdunkelt:
Das Markusevangelium zeichnet Judas noch am wenigsten schwarz.
Matthäus- und Johannesevangelium, beide später als Markus aufgeschrieben, wollen wissen, dass Geldgier das Motiv für den Verrat von Jesus gewesen ist.
Lukas- und Johannesevangelium führen die Handlungsweise von Judas darauf zurück, dass er vom Teufel instrumentalisiert worden sei.
Im Johannesevangelium wird Judas am deutlichsten negativ dargestellt: Judas wird als Negativfigur Petrus gegenübergestellt: Joh 6,66-71. Im Vergleich mit Mk 8,33 ist nicht mehr Petrus der Satan, sondern Judas. Der Teufel, die Juden und Judas (vgl. Joh 8,44: die Juden sollen den Teufel zum Vater haben) rücken bei Johannes ganz nah zusammen.

Die Kirchenväter (die Zeit bis etwa 400 n. Chr.) sind sich einig, dass die Tat von Judas eine Tat aus freiem Willen gewesen ist. Judas ist also nicht von Natur aus schlecht, sondern hat zu einem bestimmten Zeitpunkt eine schwere Sünde begangen. Die Kirchenväter betonen die grosse Liebe und Geduld von Jesus gegenüber Judas.
Die Sünde des Judas und Gottes Heilsplan mit dem Messias Jesus heben sich nicht gegenseitig auf: Obwohl Gott die böse Tat von Judas zum Heil der Menschen verwendet, wird Judas nicht zum Heiligen.

In späteren Zeiten wurde Judas zu dem Repräsentanten des Judentums. Im Hochmittelalter bekommt Judas auf Darstellungen immer hässlichere Züge und wird mit typisch jüdischen Merkmalen versehen: krumme, dicke Nase, wulstige Lippen, runzlige Haut, grobe Knochen, starker Kinnbart.

Judas wird zum Typus aller Verräter, Geldgierigen, falschen Christen in der Kirche, Irrlehrer, falschen Büsser. Zum Stichwort falscher Büsser: „Auch für Luther ist Judas gemeinsam mit Kain ein wichtiges Beispiel für diejenigen, welche glauben, ihre Sünde sei grösser als das Erbarmen Gottes.“

In der Neuzeit kommt es da und dort zum Versuch einer Rehabilitierung des Judas. Weniger Theologen und Bibelwissenschafter als vielmehr Kunstschaffende und SchriftstellerInnen sind dabei federführend. Sie verbinden diese Versuche mit ihrer eigenen kritischen Distanz zu allem, was mit Kirche zu tun hat.

In der Neuzeit wird ebenfalls wieder versucht, Judas als Persönlichkeit, als Menschen zu sehen und ihn aus der Gefangenschaft im Typischen, Allgemeinen zu befreien. Psychoanalytische Deutungen der Judasfigur beleuchten die Ambivalenz der Entstehung des Christentums aus dem Judentum. Judas repräsentiert jene Anteile in der Kirche und unter den Gläubigen, die teilweise unterdrückt oder tabuisiert werden. Judas darf man hassen! In der Ablehnung des Bösen ist man sich einig – und Einigkeit macht stark. Judas wird zum Sündenbock für das Andere, das der christliche Glaube an sich selbst und an anderen nicht ertragen kann.

Es gibt auch eine ‘subversive’ These: Judas ist ein heimlicher "Heiliger". Judas ist ja auch ein Werkzeug in Gottes Heilsplan. Das haben schon Kirchenväter so sehen können. Gerade unter Gnostikern damals, einer Strömung innerhalb der christlichen Kirche, die später aus der Kirche ausgeschlossen wurde, konnte Judas als Werkzeug höher geachtet werden als Jesus selber.

In neuerer Zeit schreibt Walter Jens: „Ohne Judas kein Kreuz, ohne Kreuz keine Erfüllung des Heilsplans. Keine Kirche ohne diesen Mann. ... ein revoltierender Judas hätte Jesus das Leben gerettet – und uns allen den Tod gebracht.“

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In der aktuellen Ausgabe von kirche+welt:

Wenn ich sterbe, soll mein Körper...

Gedanken von Markus Lindenmann zur Erdbestattung und Kremation

Auf einem Grabmal im Tessin findet sich das Mosaik mit dem auferstehenden Christus. Besser lässt sich unsere Gewissheit, die sich mit dem Tod verbindet, nicht sichtbar machen. Unser Herr, an den wir glauben, ist uns verheissungsvoll aus dem Tod ins Leben, das ewig währt, vorangeschritten.

Unweigerlich stellt sich im Blick auf unser eigenes Sterben die Frage, wie unser Abschied einmal vollzogen werden soll. Für manche ist die Erdbestattung die richtige Form, für andere ist es die Feuerbestattung. Lange Zeit war im Umfeld unserer Gemeinden die Erdbestattung üblich. Das kulturelle Umfeld hat sich verändert. Ab 1946 haben die Methodistenkirche und die Evangelische Gemeinschaft, die beiden Vorgängerkirchen der heutigen EMK, begonnen, liturgische Texte zur Beisetzung einer Urne zu schaffen. Vermehrt hatten sich Glieder unserer Kirche zur Kremation entschlossen. Es entstand ein Bedürfnis nach entsprechenden Texten. Das hat auch Unruhe ausgelöst, weil für viele die Feuerbestattung im Widerspruch zum christlichen Glauben stand.
Aber ist dies so? Und woher kommen unsere Bestattungsbräuche? Was denken Menschen aus unsern Gemeinden in dieser Hinsicht heute und was ist aus christlicher Sicht dazu zu sagen?

Den ganzen Artikel können Sie in der aktuellen Ausgabe von kirche+welt lesen. Jetzt kirche+welt abonnieren mit dem rechts obenstehenden Formular oder unter Tel. 01 986 35 81.

Links:

Online-Bibel zum Nachsehen der im Text erwähnten Bibelstellen (Übersetzung nach Luther)

Textliche Auseinandersetzung mit Dialogen zu Judas (PDF-Dokument)

Hat Judas am Abendmahl teilgenommen? - Eine Untersuchung anhand der Evangelien

Hat Judas am Abendmahl teilgenommen? - Eine Untersuchung anhand der Evangelien



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