Kirche + Welt Internet Ausgabe

Kirche und Welt - Nr. 13/2003 Juni - 19.06.2003   Zurück zur Übersicht   Kirche und Welt abonnieren

Wie würden Sie reagieren, wenn Ihnen Gott persönlich begegnen und Ihnen anbieten würde, für eine Woche seine Stellung zu übernehmen? Um diese Frage geht es im Film «Bruce Almighty» («Bruce Allmächtig»), der momentan in den Schweizer Kinos läuft

Einfach einmal Gott sein

von Andy Schindler-Walch

Erzählt werden die Leiden und Freuden aus dem Alltagsleben des Fernsehreporters Bruce Nolan (gespielt vom Komiker Jim Carrey). Bruce ist eigentlich ein netter Kerl, nur ist er fast ständig unzufrieden mit seinem Leben. Eigentlich hätte er doch alles in seiner Heimatstadt Buffalo bei New York. Er hat eine wunderschöne Freundin, die ihn über alles liebt, und er hat die Arbeit beim Fernsehen. Doch das reicht ihm nicht. Bruce möchte Karriere beim Fernsehsender machen und Moderator bei den Nachrichten werden, wo es, seiner Ansicht nach, um wirklich wichtige Informationen geht. Denn Bruce darf nur über harmlose Geschichten berichten, über die man schmunzelt, zum Beispiel über das weltgrösste Guetzli. Als an einem Tag alles schief in seinem Leben geht, lässt er seiner Wut freien Lauf und gibt Gott an allem die Schuld. Und natürlich hört Gott zu und erscheint ihm dann als farbiger Mann, voller Humor und Lebensweisheit (überzeugend gespielt von Morgan Freeman). Er gibt ihm eine Chance: Wenn Bruce glaube, dass er es besser mache als er, so soll er doch eine Woche lang Gottes Macht über Buffalo haben. Und so wird Bruce im wahrsten Sinne des Wortes allmächtig. Doch die Macht ist mit Auflagen verbunden: So darf er zum Beispiel nicht den Willen der Menschen beeinflussen. Durch die Macht kommen bei Bruce zuerst nur seine egoistischen Züge zum Vorschein. Er nutzt die Macht nur für sich, ohne der grossen Verantwortung für die vielen Menschen gerecht zu werden, wie zum Beispiel das Beantworten von
1,5 Millionen Gebeten, die ihn pro Tag erreichen und die er kaum zu bewältigen weiss. Die Schwierigkeiten werden für Bruce immer grösser…

«Bruce Allmighty» ist eine Komödie und erhebt nicht den Anspruch, Antworten auf die grundsätzliche Frage nach Gott zu geben. Der Regisseur des Films, Tom Shadyac, sagte selber: «Wir haben ‹Bruce Almighty› nicht gedreht, um dogmatische Statements abzugeben. Wir wollten nur Fragen stellen und den Menschen eine unterhaltsame Zeit bieten.» Interessant am Film ist die «Was wäre, wenn …»-Geschichte. Was wäre, wenn man Gott wäre. Sie regt zum Nachdenken an und löst Fragen aus: Wenn ich Gott wäre, was würde ich tun? Könnte ich all dem gerecht werden, was für die Menschen gut ist? Wie wären die Ursachen und Wirkungen? Wenn ich dies für diese Menschen
tue, was passiert dann mit jenen Menschen, usw.

Der Film hat inhaltlich auch Schwächen. Ein paar Szenen mit Jim Carrey als Bruce sind zu überdreht und an der Grenze des guten Geschmacks. Der Film behandelt auch nicht gesellschaftliche Probleme von Menschen, sondern dreht sich nur um Bruce und sein Glück oder Unglück.

Doch «Bruce Almighty» ist ein sehenswerter Film. Durch die Schwierigkeiten, die es mit sich bringt, die Macht Gottes zu haben, gelingt es dem Film, Gott eine menschliche Note zu verleihen, die ihn uns näher bringt. Eindrücklich ist im Film auch, wie immer wieder ein Bettler vorkommt, der auf einem Schild prophetische Weisheiten emporhebt. Am Schluss erkennt man im Gesicht des Bettlers das Antlitz Gottes.

Links:

Homepage von "Bruce Almighty"

Interview mit Jim Carrey zu "Bruce Almighty" (englisch

Kritischer Beitrag zu "Bruce Almighty" von idea Deutschland



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