Kirche + Welt Internet Ausgabe

Kirche und Welt - Nr. 03/2003 Januar - 30.01.2003   Zurück zur Übersicht   Kirche und Welt abonnieren

Verlangt Gott Demut von uns? Ich bin ja sein Ebenbild, warum sollte er dann auf mich herabschauen und sagen: "He Du, kleines Würstchen, was wagst du es überhaupt hier zu sein?" Das kann es doch nun wirklich nicht sein.

Ich habe eine Frage...

von Markus Lindenmann

Demut ist die Lebenshaltung, bei der ich mich selber zurück nehme und andere höher achte als mich selbst. (Phil 2,3). Das Gegenteil sind Eigennutz, Ehrsucht und Hochmut. (Phil 2,3; 1. Pt 5,5). Der Demut begegnet Gott mir mit Gnade, dem Hochmut wiedersteht er. Demut ist die Lebenshaltung, die sich nicht auf Kosten anderer zum eigenen Vorteil profiliert, um sich selbst in ein besseres Licht zu schieben. Diese "echte" Demut ist nicht Unterwürfigkeit und schon gar nicht kriecherisch. Sie wächst aus dem Vertrauen, das die Selbstdemonstration überflüssig macht. Sie spiegelt etwas von der Zuwendung Gottes wider. Sie ist gelebter Ausdruck der Stärke aus dem Glauben an Gott.
Demut steht dafür nicht allein. Eph 4,2-4 nennt daneben die Sanftmut, die Geduld, das einander in Liebe ertragen und nach Einigkeit trachten. Kol 3,12 fügt Erbarmen und Freundlichkeit bei. Dies alles gehört zum pfleglichen Umgang mit andern Die "echte" Demut überträgt das Vertrauensverhältnis zu Gott in die mitmenschlichen Beziehungen und lässt die andern etwas von diesem Gottvertrauen erfahren, ohne dass ihnen dauernd die eigene Beziehung zu Gott um die Ohren gehauen wird.
In Kol 2,18+23 warnt Paulus vor "falscher" Demut, vor selbsterwählter Frömmigkeit und Demut. Er spricht von Menschen, die ihre Frömmigkeit und Demut demonstrativ zur Schau stellen, damit ja niemand sie übersehe. Paulus nennt sie "ohne Grund aufgeblasen in rein irdischer Gesinnung". Sie pervertieren Demut in ihr Gegenteil, in einen scheingeistlichen Hochmut, der nur der Selbstdarstellung dient. Damit deklassieren und demütigen sie andere Christen, und erwirken Uneinigkeit. So wird Demut zum Widerspruch ihrer selbst.
Demut als Teil christlicher Lebenshaltung geht nicht demonstrativ unten durch, sie lässt mich meinen Glauben leben, wie er mir persönlich geschenkt wurde, ohne dass ich ihn als einzig richtig darstellen und andere damit beeindrucken muss. Dazu ermutigt mich Gott.

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