Kirche + Welt Internet Ausgabe

Kirche und Welt - Nr. 01/2003 Januar - 01.01.2003   Zurück zur Übersicht   Kirche und Welt abonnieren

Ein Text aus der gemeinsamen "Europa-Ausgabe"

Kommst Du auch zum 3x3-Gottesdienst?

von Marc Nussbaumer

Als Barbara so gefragt wurde und das selbstgemalte Bild auf der Einladungskarte betrachtete, reagierte sie wie die meisten: 3x3-Gottesdienst? Was ist das?
Ja, weißt Du, das ist ein etwas besonderer Gottesdienst in der Mensa der Berufsschule, ziemlich kreativ, mit guter Musik, Theater, Puppen, Multimedia, echt locker, und dennoch mit Tiefgang. Er findet in der Mensa der Berufsschule Lenzburg statt, um 10.30 Uhr. Das tönt spannend. Jeden Monat sind etwa 20 Gäste da, die aufgrund persönlicher Einladungen mitgekommen sind. Meist sind wir 120-160 Leute.
Vor 1 1/2 Jahren hatten wir noch vier Gottesdienste in vier verschiedenen Ortschaften, mit eher meist wenig Teilnehmenden. Es war klar, dass wir nicht einfach miteinander Ideen sammeln wollen, was wir tun könnten, damit mehr Leute wieder in unsere Kapellen kommen. Wir beschlossen miteinander, einen geistlichen Prozess zu beginnen, durch den wir am Ende klar erkennen können, welchen Auftrag Gott für uns in dieser Region (nicht in unseren Kapellen!) hat.
In einer ersten Phase haben wir im Verhalten der Gemeindeglieder grundlegenden Werte erkannt, die auch von Menschen ausserhalb der Gemeinde beobachtet werden: Gemeinschaft, Kinder und Familien, Musik und Kreativität. In einer zweiten Phase haben wir einander erzählt, welche Glaubenserfahrungen uns in Not und Schwierigkeiten getragen haben. Diese tragenden Glaubensinhalte verbinden uns miteinander. Es wurde deutlich, dass wir als Geliebte, als Be-Geisterte und als Seliggepriesene leben können. Wir müssen nicht befürchten, dass Gott uns nicht mehr liebt, wir müssen nicht aus eigener Kraft durchhalten und voran kommen und wir sind für andere hilfreich, wenn wir so sind, wie Jesus die Men-schen in den Seligpreisungen beschreibt.
In der dritten Phase unseres Klärungsprozesses haben wir alle eingeladen, persönlich ein Bündnis für Offenheit einzugehen. Damit haben wir ausgedrückt, dass wir loslassen wollen und Gott machen lassen wollen. Der Gemeindebrief wurde zu einem Tagebuch, das uns beim persönlichen Bibelstudium und in den eigenen Gebetszeiten begleitete. Wir studierten Texte aus der Apostelgeschichte und rechneten damit, dass Gott nicht nur Petrus oder Paulus, sondern auch uns eine motivierende Vision schenkt. In Gebetsgruppen, in Gottesdiensten und in Sitzungen haben wir einander berichtet, was uns beim Bibelstudium aufgefallen ist und was uns an Eindrücken und Bildern geschenkt wurde. Als jemand davon erzählte, wie sie mitten in der Nacht aufgewacht sei und ein Bild vor sich hatte, in dem Jesus am Brunnen sitzt, haben wir aufgehorcht. Dieses Bild erinnerte an die Erzählung in Johannes 4: Jesus sitzt am Brunnen und begegnet der Samaritanerin, die als Aussenstehende zur Mittagszeit zum Wasser holen kommt.
Diese Bild wurde uns zum Leitbild, das uns motiviert, in ähnlicher Weise den Menschen von heute zu begegnen. An den Brunnen, an denen sie den Durst ihrer Seele zu löschen versuchen, wollen wir ihnen begegnen und ihnen helfen, das lebendige Wasser für ihre Seele zu finden. Der 3x3 Gottesdienst ist so ein Brunnenprojekt geworden.
Aus diesem ganzen Prozess wurde unser Auftrag klar: Miteinander begegnen wir den Menschen so, dass sie eine befreiende Beziehung zu Jesus finden, feiern oder vertiefen können.
Ja 3x3 gibt 10! Wir rechnen mit Gott, auch in Zukunft. Was mit den Kapellen geschehen wird, ist nicht die Frage, sondern was mit den Menschen geschehen, kann, die an ihren Brunnen Jesus begegnet sind.

Links:

Bibeltext aus dem Johannesevangelium, Kapitel 4



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