Kirche + Welt Internet Ausgabe

Kirche und Welt - Nr. 04/2003 Februar - 13.02.2003   Zurück zur Übersicht   Kirche und Welt abonnieren

Die Tagebücher der Anne Frank gehören zu den wichtigen Zeitdokumenten der Judenverfolgung. Nun gibt es erstmals ein Doppel dieser Schriften.

Erstes Faksimile des Tagebuchs der Anne Frank

von Andy Schindler-Walch / Pressemitteilung

Die Schriften von Anne Frank beeindrucken, weil sie ein Augenzeugenbericht über die Judenverfolgung sind. Sie berühren aber auch, weil Anne Frank in ihnen als normale, pubertierende 13-Jährige spürbar und erlebbar wird. Anne ist ein Mädchen wie «du und ich», gerade auch für die Jugendlichen. Durch sie erhält der Holocaust ein Gesicht. Bis heute sind die Tagebücher in gegen 70 Sprachen übersetzt worden.
Vor fünf Jahren erteilte der Anne Frank-Fonds in Basel zusammen mit dem Anne Frank-Haus in Amsterdam den Auftrag, zwei Faksimiles der handschriftlichen Tagebücher und Texte von Anne Frank herzustellen. Ziel war es, den Erhalt der wertvollen Tagebücher und Texte sicherzustellen, da die Originale auch dem Alterungsprozess des Materials unterliegen, und diese einer noch breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In aufwändiger Kleinarbeit stellten Spezialisten die völlig originalgetreuen Kopien her. Vom Kaffeefleck bis zur eingeklebten Briefmarke und dem abgerissenen Verschluss stimmt das Faksimile perfekt mit dem Original überein.

An der Medienkonferenz am 27. Januar 2003 in Basel fand nun die Übergabe des Faksimiles statt. Hans Vestra, Executive Director des Anne Frank-Haus in Amsterdam, überreichte Buddy Elias, Präsident des Anne Frank-Fonds in Basel, die wertvollen Kopien der Tagebücher und Schriften. Elias, der auch ein Cousin von Anne Frank ist, freut sich darauf, das Faksimile in Basel zur Ausstellung zu bringen und so einen Beitrag dazu zu leisten, dass die Geschichte nicht vergessen wird. Vom Juni bis September 2003 wird das Faksimile nun zuerst im Holocaust Memorial Museum in Washington und danach in Basel ausgestellt. Wo dies dann sein wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch offen. Es ist kein Zufall, dass die Faksimiles in Basel ausgestellt werden wird. Nach seiner Befreiung aus dem Konzentrationslager Auschwitz ist Otto Frank, der Vater von Anne, zunächst nach Amsterdam zurückgekehrt und kam dann im Jahr 1953 zur Familie seiner Schwester nach Basel. Von hier aus hat sich dieser für das Vermächtnis seiner im Jahr 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen umgekommenen Tochter eingesetzt. Später hat Otto Frank bis zu seinem Tod am 19.8.1980 in Birsfelden gelebt.

Der Anne Frank-Fonds ist eine Stiftung mit Sitz in Basel. Die Stiftung bezweckt die Förderung karitativer Werke und sozialer und kultureller Aufgaben im Sinne der Botschaft von Anne Frank. Als Universalerbe von Otto Frank verwaltet sie die Rechte an sämtlichen Schriften von Anne Frank. Die Rechte an den Bildern von Otto und Anne Frank verwaltet er gemeinsam mit dem Anne-Frank-Haus in Amsterdam. Für Elias und den Fonds ist es wichtig, mit der Erinnerung an Anne Frank einen Beitrag zur Verständigung zwischen Kulturen, Religionen und Völkern zu leisten.
Das Originaltagebuch der Anne Frank ist im Besitz des niederländischen Staates, der es dem Niederländischen Institut für Kriegsdokumentation (NIOD) zur Aufbewahrung anvertraut hat. Das NIOD wiederum hat es für die permanente Ausstellung im Anne Frank-Haus in Amsterdam zur Verfügung gestellt.

Links:

Der Anne Frank-Fonds in Basel

Das Anne Frank-Haus in Amsterdam (in Holländisch)

Umfangreiches Material über Anne Frank für den Schulunterricht

Biographische und geschichtliche Angaben zu Anne Frank

Buchrezension eines 12-jährigen Mädchens zum Tagebuch der Anne Frank



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