Kirche + Welt Internet Ausgabe

Kirche und Welt - Nr. 07/2003 April - 10.04.2003   Zurück zur Übersicht   Kirche und Welt abonnieren

Zur Geschichte von Elija in 1 Kön 19

"Und wer weckt mich auf?"

von Claudia Haslebacher

Jetzt, wo ich schreibe, ist der Angriff auf den Irak im Gang. Die Unvernunft hat gesiegt. Noch unklar ist, wie es im Nordirak weitergeht. Wird die Türkei einmarschieren? Diese Nachrichten haben mir auf den Magen geschlagen. Am liebsten würde ich mich mit der Decke über dem Kopf ins Bett zurück ziehen und nichts mehr von dieser Welt hören oder sehen. Ist es nicht endlich genug? Genug Krieg, genug Sterben und Schmerzen? Genug Hunger? Wer kümmert sich darum, dass in unserer hochtechnologisierten Welt jeden Tag viele Kinder an Hunger sterben? Weshalb wird unser Wissen nicht besser eingesetzt als für Kriege? Die Antwort ist klar - wo es um Macht und Geld geht, ist Krieg wichtiger als das Leben von Menschen. Ich habe genug. Wie Elija komme ich mir vor: zwar habe ich keine Siege errungen für Gott, aber ich habe
gehofft und gebetet - und gebracht hats nichts. Alle Zuversicht habe ich verloren. Die Welt macht müde. Sie macht auch den Glauben müde. Wird der Glaube müde, dann wird der ganze Mensch müde. Manchmal lebensmüde. Es ist genug. So denke ich - denken andere.

SO DENKT GOTT DANN NICHT!

Er weiss um meine Müdigkeit. Es tut gut, einfach so dazuliegen, wie Elija unter dem Wacholder, oder auf dem Sofa, mit dem Seufzer: „Es ist genug." Nichts mehr hören. Nichts mehr Sehen. Nichts mehr müssen. Gott weiss das. Weiss um jede Lebensmüdigkeit. Und bisweilen lässt er sie uns.

Aber nur, um uns aufzuwecken wie Elija. Es kann sein, dass mitten in der Müdigkeit ein Blick, ein Wort, die Umarmung eines Menschen ist. Das macht wach. Ich kann es nicht übersehen, wenn mich jemand gern hat, oder wenn ein anderer mich, gerade mich, braucht. Gott weckt mich. Bei Elija tut er es ganz praktisch: „Iss und trink, mach dich auf den Weg." Es warten eine Gottesbegegnung, ein neuer Auftrag und ein Nachfolger auf Elija. Bei uns ist es ein Brief sein, die Sorge eines anderen Menschen, jemand, der uns dankt, ein Wunsch nach Gebet, nach etwas Geld, nach ein paar Minuten Zuhören. Das sind Winke Gottes. Denn: die Müdigkeit ist doch eigentlich ein Hunger nach Sinn. Es soll doch jemand sagen, wozu ich eigentlich da bin inmitten der vielen Schrecken. Was kann ich kleiner Mensch da schon tun? Gott berührt, er rührt mich an durch Menschen, in denen er mir begegnet. Diejenigen, die uns anrühren und wecken, sind Boten Gottes, ob sie es wissen oder nicht. Die Tränen eines anderen, die ich nicht ertragen kann, sind Gottes Fingerzeig. Der Mensch, der mich in die Arme nimmt, ist Gottes Arm. Der Bettler, der vor der Türe steht und nach einer Stunde Arbeit fragt, ist Gottes Ruf zum Aufstehen. Das Unglück, das ich nicht verstehen kann, will mein Gebet. All die Menschen und Sorgen, denen ich entkommen wollte, sind Gesten Gottes, der mich wach, lebendig, möchte. Mitten in der Müdigkeit steht der Engel da, der sagt: „Steh auf, iss und trink, du wirst noch gebraucht."

Links:

Die Bibel online zum Nachschlagen

Eine Predigt zu 1 Kön 19 (lesbar mit Acrobat Reader)

Eine Predigt von Wolfang Wegert zu Jesaja 40,31



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