Kirche + Welt Internet Ausgabe

Kirche und Welt - Nr. 21/2002 Oktober - 31.10.2002   Zurück zur Übersicht   Kirche und Welt abonnieren

Über den eigenen Lebensstil, dem Umgang mit materiellen Reichtum und das Sammeln von Gütern.

Wie gross ist dein Fussabdruck?

Werbung MusiCreativ Horgenvon Gere Luder

Kürzlich habe ich in einer Zeitschrift des WWF einen Test gemacht, mit dem man herausfinden konnte, wie viele und wie deutliche Spuren man als Mensch auf dieser Erde hinterlässt. Vielleicht haben Sie solche Tests zum persönlichen Energie- und Ressourcenverbrauch auch schon gemacht oder davon gehört. Bei diesem hier galt es Fragen zu den unterschiedlichsten täglichen Gewohnheiten, welche Energie und Rohstoffe verbrauchen, zu beantworten: Wie lange duschen Sie insgesamt pro Woche? Wieviel Wohnfläche beanspruchen Sie? Mit welchen Verkehrsmitteln gehen Sie zur Arbeit und wie weit ist der Weg? Essen Sie mehr, weniger oder gleichviel wie die Menschen um Sie herum?

Mein Fussabdruck auf der Erde
Nach Beantwortung aller Fragen konnte ich meine Punktezahl zusammenzählen und es stellte sich heraus, das ich knapp zwei Planeten benötige. Zwei Planeten? In diesem Test wird das Resultat in Anzahl Planeten ausgedrückt, welche man mit seinem Lebensstil beansprucht. Zwei Planeten bedeutet: Wenn alle Menschen auf dieser Erde so leben würden wie ich und die gleiche Menge Energie und Ressourcen brauchen würden wie ich, dann müssten wir zweimal die Erde haben um langfristig genug für alle zu haben. Oder anders ausgedrückt, ich verbrauche doppelt so viel an Energie und Rohstoffen wie mir zustehen würde, wenn wir die Vorräte unserer Erde gleichmässig verteilen würden. Übrigens der Durchschnittsschweizer braucht sogar 2,6 Planeten, ein Chinese 0.9 und ein Amerikaner fast 6 Planeten. Und wenn Sie wissen möchten wie grosse Fussabdrücke Sie persönlich hinterlassen, können Sie dies unter www.footprint.ch testen, dort werden die Punkte sogar automatisch zusammengezählt. Oder Sie können die Ausgabe 4/2002 des WWF- Magazins bestellen, in welcher der Test zu finden ist.

Sammeln und Aufbewahren
Es trifft sich, dass wir zur Zeit daran sind, in eine neue und erst noch grössere Wohnung umzuziehen. Ein geflügeltes Wort sagt dazu, dass man erst beim Umziehen feststellt, wie reich man ist. Genau so ergeht es auch uns. Als Sammlertyp bin ich einer, der alle möglichen Dinge aufbewahrt, Bücher auch gerne zu Hause im Regal hat und zudem noch viel Material einlagert, das man bei einem Anlass wieder mal benutzen kann. Das hat den Vorteil, dass ab und zu jemand anruft oder vorbeikommt und fragt, ob er dieses oder jenes ausleihen kann für ein Lager, einen Gottesdienst oder ein Fest. So können Scheinwerfer, farbige Tücher, Comics oder was auch immer für jemanden von Nutzen sein. Der Nachteil besteht darin, dass ich dafür mit meinem Gewissen in Konflikt komme, weil das Sammeln von materiellen Gütern nicht gerade ein nachhaltiges Verhalten ist. Wohl ist Sammeln besser als alles immer gleich wegzuwerfen, noch besser wäre allerdings mit weniger Besitz auszukommen und so gar nicht erst Energie und Rohstoffe zu verbrauchen. Immerhin, dass ich vom Typ her eher der Sammler bin, damit kann ich mich inzwischen abfinden. Wenn ich dann aber die Schachteln sehe, die sich zunehmend in unserer Wohnung stapeln, gehen mir bald einmal einige Aussagen von Jesus zum Thema Sammeln und Reichtum durch den Kopf.

Das Kamel und das Nadelöhr
Im Leben Jesu gibt es nämlich verschiedene Episoden, welche materiellen Reichtum und das Sammeln von Gütern nicht gerade in ein positives Licht rücken. So sagt Jesus einmal zu seinen Jüngern: „Sammelt euch nicht Schätze auf der Erde, wo Motten und Rost sie zerfressen“. Oder er weist einen reichen jungen Mann darauf hin, dass „eher ein Kamel durch ein Nadelöhr kommt, als ein Reicher ins Himmelreich“.
Die Haltung von Jesus zum Reichtum ist also sehr klar und mich beschäftigt dann sofort die Frage, ob meine gesammelten Bücher und CD’s bereits als Reichtum gelten.
Im Hinblick auf den Glauben und meine Beziehung zu Gott kann ich dann gut argumentieren, dass ich ja mein Herz nicht an die Bücher und CD’s hänge und mir mein Geld und Besitz nicht wichtiger ist als Gott. Ja, ich stelle meine Güter sogar zeitweise anderen zur Verfügung, nicht selten auch für Anlässe in der Gemeinde. Mit Blick auf den Zustand unserer Erde und die beschränkten Ressourcen nützt mir diese Argumentation allerdings nicht viel: Ich verbrauche mehr als mir zusteht und das unter anderem auch, weil ich gewisse Dinge gerne besitze und jederzeit zur Hand haben möchte.

Der Fussabdruck Jesu
Jesus kannte die Fragen um Nachhaltigkeit und die Probleme des verschwenderischen Umgangs mit den Ressourcen dieser Erde nicht. Folglich hat er sich auch nie direkt zu diesen Fragen und Problemen geäussert. Wir müssen uns also aufgrund seines Lebens und seiner Worte überlegen, wie Jesus wohl heute leben würde.
Würde er mit dem Auto herumfahren und kreuz und quer durch die Welt fliegen, um zu den Menschen zu sprechen? Würde er in einem grossen Haus wohnen, Leute zu sich einladen und am Sonntagnachmittag auf dem Balkon an der Sonne sitzen? Würde er die Menschen heute mit Pizza, Hamburger und Coca- Cola speisen, würde er dafür sorgen, dass jeder Mensch täglich einmal Fleisch auf den Teller bekommt?
Persönlich bin ich überzeugt, dass Jesus unseren durchschnittlichen schweizerischen Lebensstil nicht gutheissen würde. Ich denke, er würde sich heute bemühen, seinen Fussabdruck auf der Erde möglichst klein zu halten, zumindest was den ökologischen Fussabdruck betrifft. Ja, ich bin überzeugt dass er im Test des WWF weniger als einen Planeten beanspruchen würde. Weil er so leben würde, dass es für alle Menschen dieser Erde genug zum Leben hat, ohne dass dabei die Schöpfung langsam zugrunde geht.
Dass Jesus in einem ganz anderen Sinn sehr grosse Fussabdrücke und Spuren hinterlassen hat, das hingegen wäre eine andere Geschichte ...

Links:

www.footprint.ch



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