Kirche + Welt Internet Ausgabe

Kirche und Welt - Nr. 01/2002 Januar - 09.01.2002   Zurück zur Übersicht   Kirche und Welt abonnieren

Am 16. Januar 2001 würde der Sportler und Missionar Eric Liddell 100 Jahre alt.

Ein Mann des Glaubens

Der Film kann unter www.amazon.de bestellt werdenvon Andy Schindler-Walch

Was wäre wohl, wenn sich heute der beste Schweizer Skifahrer an den Olympischen Spielen in Salt Lake City weigern würde, an einem Sonntag zu starten? Wären wohl die Reaktionen gleichermassen wie an den Olympischen Spielen von Paris im Jahr 1924? Mit Erstaunen und Bewunderung wurde da zur Kenntnis genommen, dass sich die grosse Favorit, der gläubige Schotte Eric Liddell weigerte, in der Leichtathletik an den Start zum 100-Meter-Lauf zu gehen, weil der Final an einem Sonntag stattfand. Dafür gewann er kurz danach an einem Werktag in einer neuen Weltrekordzeit die Goldmedaille im 400-Meter-Lauf, einer Disziplin, für die er nie trainiert hatte. Am 16. Januar wäre der 1902 geborene Sportler und Missionar 100 Jahre alt geworden.

Wer war Eric Liddell?
Eric Liddell wurde 1902 als zweites von vier Kindern in China geboren. Seine Eltern waren Missionare der Londoner Missionsgesellschaft. Er studierte Naturwissenschaften an der Universität in Edinburgh und fiel als guter Sportler im Rugby und besonders in der Leichtathletik auf. Obwohl er einen ungewöhnlichen Laufstil hatte und er rannte mit dem Kopf nach hinten geworfen durchs Ziel, wurde er in die Olympiamannschaft aufgenommen und die Ereignisse in Paris wurden zu Sportgeschichte. Nach seiner Rückkehr begann er ein Theologiestudium bei der Congregational Church (einer refomierten Kirche, die ähnlich in ihrer Lehre wie die schottische Staatskirche ist), in der er aufgewachsen war. Er wurde Pastor und kehrte als Missionar zurück nach China. Zuvor trat Liddell an vielen Evangelisationsveranstaltungen auf und seine Bekanntheit als Sportler tat das seinige dazu. Dass er sich weigerte, an einem Sonntag zu laufen, hing mit seinem Glaube zusammen, der tief in einer evangelisch-fundamentalistischen Tradition verwurzelt war. Den siebten Tag der Woche als Ruhetag zu heiligen, war für ihn selbstverständlich. Sein Glaube hatte aber nichts verbissenes an sich. Er war ein humorvoller Mensch und hatte eine besondere Wirkung auf seine Mitmenschen. "Es war die Ausstrahlungskraft seiner Persönlichkeit, die die Menschen anzog, die Überzeugungskraft seines Glaubens, die schlichte Art seiner Lauterkeit. Er hatte die Fähigkeit, zu jedem wie ein Freund zu sprechen und den Menschen das Gefühl zu geben, sowohl wichtig als auch gefordert zu sein. Das war der Grund dafür, dass jeder, der auch nur den flüchtigsten Kontakt mit Eric Liddell hatte, voll des höchsten Lobes über ihn ist," so Sally Magnusson in ihrer Biographie über Liddell. Er heiratete eine kanadische Krankenschwester und sie bekamen zwei Kinder. Als die Japaner während des Zweiten Weltkriegs in China eindrangen, schickte er seine Frau, die ein drittes Kind erwartete, und seine Kinder nach Kanada in Sicherheit. Er selber starb am 21. Februar 1945 in einem japanischen Internierungslager an einem nicht operablen Tumor an der linken Gehirnhälfte.

Bekannt bis heute
Liddells Leben war so bemerkenswert, dass über seine sportlichen Taten in Paris, verbunden mit seinem Glauben, ein Film, "Chariots of Fire" (Stunde des Siegers), gedreht wurde, der vier Oscars gewann. Vor zwei Jahren berichtete die Zeitung "Edinburgh News", dass ein zweiter Spielfilm geplant sei, indem das Leben von Eric Liddell nach der Olympiade geschildert werden sollte. In Edinburgh gibt es heute das Eric Liddell Center, eine gemeinnützige soziale Institution. Ihr Sitz ist vis-à-vis der Kirche, die er besuchte, wo im Jahr 1995, anlässlich seines 50. Todestages, ein Gedenkgottesdienst gefeiert wurde, an dem 500 Menschen teilnahmen. Eric Liddell - ein Mann, der unvergesslich bleibt.

Links:

Eric Liddell Center

Buch über das Leben von Eric Liddell

Stunde des Siegers

Musik aus "Chariots of fire" zum Downloaden



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