Kirche + Welt Internet Ausgabe

Kirche und Welt - Nr. 04/2002 Februar - 07.02.2002   Zurück zur Übersicht   Kirche und Welt abonnieren

Sei still dem Herrn - Psalm 37,7a

Ich darf sein, wie ich bin

von Stefan Zolliker

Manchmal komme ich mir vor wie ein übervoller Krug. Ich liege ausgelaugt in der Stube auf dem Sofa und sehne mich nach neuen Kräften. Doch statt einmal den übervollen Krug zu leeren, giesse ich noch mehr hinein. Ich zerstreue mich mit beim Fernsehen mit "Lüthi und Blanc", "Der Bulle von Tölz" oder mit Heftchenlesen. Doch nach der Zerstreuung habe ich das Gefühl, im übervollen Krug nur herumgestochert zu haben. Ich fühle mich ausgefranst, ohne Ziel und Mitte. Sei still im Herrn. Wo ich mich danach sehne, neu mit Kraft erfüllt zu werden, da bleibt mir nichts anderes übrig, als zuerst einmal meinen mit Sorgen und Eindrücken überfüllten Krug zu auszuleeren.

Übung hilft

Sei still dem Herrn! Mir hilft eine einfach, dreiteilige Übung, dieses Bibelwort zu meditieren. In einem ersten Schritt halte ich mich an den ganzen Satz: Sei still dem Herrn. Ich darf ein wenig bei meinem Gott höckle, wie man sich auf eine Ruhebank setzt. Ich darf einmal durchatmen, zur Ruhe kommen. Ich bin froh um Gott als Gegenüber. Diese Mitte hilft mir, mich zu sammeln, nicht nur in Gedanken um mich selbst zu kreisen.

In einem zweiten Schritt bedenke ich nur noch die erste Satzhälfte: Sei still. Im Stillwerden kann sich einiges, was herumwirbelt, setzen. Sorgen, die auftauchen, versuche ich ziehen zu lassen. Sei still, heisst nicht, nichts zu tun. Still sein heisst innere Sammlung. Still sein ist etwas ganz anderes als Tagträumerei, melancholischen Gefühlen nach zu hängen oder Herumschweifen mit den Gedanken. Still sein heisst warten. Ruhig werden.

Und dann in einem dritten Teil bewege ich in meinem Herzen nur noch dieses erste Wort: Sei. Völliges Ruhen heisst: Sein. Ich darf sein, wie ich bin. In diesem Ruhen zählt nicht mehr, was ich habe, kann, oder anderen beweisen möchte. In diesem Ruhen vor Gott darf ich sein, was ich bin. Da ist einiges in meinem Leben, das habe ich erreicht. Da ist anderes, das geriet daneben. Ich darf es alles unter Gottes Güte wissen. Ich darf ja sagen zu meinem Leben, zu meinem Sein, weil ein Grösserer ja dazu sagt.
Sei still dem Herrn. Im Einüben dieses Wortes liegt eine grosse Verheissung. Ich wünsche Ihnen den Mut, sich Zeiten der Stille zu erkämpfen, damit sich der Krug Ihres Lebens wieder leeren kann. Dann entsteht Platz für Neues, für die Kraft Gottes.

Links:

Ein weiterer Text aus dem Netz: "Stille Zeit: Gott redet zu mir"

Sei nun stille meine Seele - Eine Ansichtskarte zum Verschicken

Das Haus der Stille

Ein deutscher Reporter erprobt die Stille



-----------
Bitte senden Sie Ihre Bemerkung an die folgende Mailadresse:
"redaktor at kircheundwelt punkt ch".