Kirche + Welt Internet Ausgabe

Kirche und Welt - Nr. 07/2002 April - 11.04.2002   Zurück zur Übersicht   Kirche und Welt abonnieren

Der Filmtipp: "Schiffsmeldungen"

Coverbild des Soundtracksvon Andy Schindler-Walch

Eigentlich ist Quoyle (gespielt von Kevin Spacey) ein Verlierer. Ein Mann, ohne glückliche Jugend, mit keinem Selbstbewusstsein oder Stolz, der ziel- und freudlos durchs Leben geht. Ein Mann, der von seiner Frau mit einem Liebhaber betrogen wird. Er erträgt es, schweigt, sucht verzweifelt nach Liebe und Anerkennung und geht einer langweiligen Arbeit in einer amerikanischen No-Name-Stadt nach.
Einzig um seine Tochter kümmert er sich liebevoll. Das Leben wäre so an Quoyle vorbei gezogen, doch dann ändert sich schlagartig einiges. Seine Eltern nehmen sich das Leben, seine Frau stirbt mit ihrem Liebhaber bei einem Autounfall und seine Tante steht plötzlich vor seiner Tür. Sie fordert ihn auf, mit ihr nach Neufundland zu gehen, dem Ort, wo die Quoyles herstammen. Er willigt ein und zusammen mit Tochter und Tante taucht er in eine neue Landschaft und damit auch in ein neues Leben ein. Plötzlich ist er auf der 112'000 Quadratkilometer grossen Insel mit enorm viel Wind, Regen, Sturm und wenig Sonne.
Eine stürmische Gegend also, in der Quolye einen Neuanfang wagt und gleichzeitig versucht, seine seelischen Wunden zu heilen. Er wird Lokalreporter bei einer örtlichen Zeitung und bekommt den Auftrag, eine Kolumne über anlegende Boote und ihre Besitzer unter dem Namen "Schiffmeldungen" ("Shipping News") zu schreiben. Quoyle erfährt dabei auch mehr über die Vergangenheit seiner Familie. Mehr als ihm eigentlich lieb ist. Doch er fasst Fuss, findet Freunde und sein Leben beginnt sich zu ändern...
"Schiffsmeldungen", nach dem Bestseller von E. Annie Proulx, wurde vom Schweden Lasse Hallström wunderschön verfilmt. Gerade die Bilder dieser zerklüfteten und wilden Landschaft sind grossartig, die symbolisch wohl auch für die innere Zerrissenheit und Kämpfe jener Menschen im Film stehen. "Schiffsmeldungen" ist ein Beispiel, dass seelische Wunden heilen können und sei es mit einem Neuanfang an einem unwirklichen Ort. Wer das Buch gelesen hat, wird vom Film zwar etwas enttäuscht sein, da die Problemkreise darin etwas vereinfachter dargestellt sowie einige Personen weggelassen wurden. Dadurch konnte die Dimension der Charaktere und Dialoge nur bis zu einem gewissen Mass wiedergegeben werden. Dazu weist der Film zwei etwas "gruslige" Szenen auf, die aber im Ganzen gesehen verkraftbar sind. Das Thema, die gute Besetzung und die Landschaftsaufnahmen machen "Schiffsmeldungen" zu einem sehenswerter Film. Momentan im Kino.

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Links:

Hintergrundinfos und Trailer zum Film

Ein Kurzporträt der Autorin Annie L. Proulx

Wo man das Buch und den Soundtrack kaufen kann

Eine Buchkritik zu "Schiffsmeldungen"



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