Kirche + Welt Internet Ausgabe

Kirche und Welt - Nr. 06/2001 März - 05.03.2001   Zurück zur Übersicht   Kirche und Welt abonnieren

Eine Übernachtung in der "Backpackers Villa Sonnenhof"

Lerne einen Gast aus einem anderen Land kennen...

Backpacker Villa Sonnenhof in Interlaken, Schweizvon Andy Schindler-Walch

"Liebe Freunde, ich bin ein Chalet und liebe mein Leben als Eure Gaststätte. Ich möchte dies noch hunderte von Jahren erleben dürfen. Helft mir, dass dieser Wunsch in Erfüllung geht," lese ich auf dem Schild an der Türe und die Mitteilung endet mit dem Satz: "Ein Feuer könnte alles zerstören, bitte raucht nicht im Haus." Es ist 20.40 Uhr und ich stehe in Interlaken vor einem dreistöckigem Gebäude, zum größten Teil aus Holz. Es ist die "Backpackers Villa Sonnenhof", ein Ort zum Übernachten. Die Trägerschaft ist ein Verein, der aus dem Jugendwerk der EMK hervorgegangen ist. "Backpacker" bedeutet "Rucksacktragender" und dieser Name steht für eine einfache und günstige Unterkunft. Eine Reihe von Herbergen dieser Art sind in den letzten Jahren in der Schweiz aufgegangen. Besonders junge Leute zwischen 18 und 30 Jahren bevorzugen diese Art von Übernachtung.

Ich bin für eine Nacht angemeldet und öffne die Eingangstüre. Zuerst stehe ich etwas verloren in einem Foyer. Wohin jetzt? Zögernd gehe ich um die Ecke und stehe in einem Gang, der mit Holz ausgekleidet ist. Von der Decke hängt ein großes Schild mit einem Pfeil "Check in". Ich folge der Anweisung und komme in ein Zimmer mit mehreren Holztische, eine größere Anzahl Stühle, also ein Speisesaal. Im hinteren Teil des Raumes steht eine Holztheke, dahinter eine junge Frau, Mitte zwanzig, mit langen braunen Haare, die mich anlächelt. Sie trägt einen Pullover in verschiedenen Grünfarben mit einem Button "Brigitte". Die Namensfrage ist somit schnell geklärt. Brigitte Jäggi, 29, erweist sich als zuverlässige Informationsquelle und gibt mir Antwort auf alle meine Fragen. Dann schiebt sie einen kleinen Stapel für mich über die Theke: weißer Stoffschlafsack, weißer Kissenbezug, weißes Frottéhandtuch, ein grüner Informationszettel, der Zimmer- und ein Kastenschlüssel, ein Blatt mit einem irischen Segen samt aufgeklebtem Schokoladenherz und einem Hinweis dazu in drei Sprachen: "Mit diesem irischen Segen wünscht dir das Villa-Team einen tollen Aufenthalt hier." Außerdem erhalte ich einige Unterlagen, die mich als Journalist interessieren könnten. Neben der Theke hat es ein Regal mit Lebensmitteln, die man kaufen kann z.B. Knorr-Risotto, Knorr-Mais, Knorr-Hüttenlunch, Knorr-Quicklunch, Stalder-Dessertcremen, Hero-Tomatensauce, Spaghetti und verschiedene Schokoladenriegel. Das "Backpackers" hat eine Küche, die die Gäste benützen können. Man kann aber auch kleine Speisen hier direkt an der Theke anfordern.

Mit meinem Stapel in den Händen mache ich mich auf den Weg zu meinem Zimmer. Das Treppenhaus mit den steinernen Stufen und den weißen Wänden mit Stuckverzierungen wirkt im Gegensatz zu den Gängen mit den Holzwänden recht nüchtern. Im zweiten Stock finde ich mein Zimmer: Zwei Kajütenbetten sind hintereinander platziert, auf der anderen Seite der Wand ein Einzelbett, das ich erhalte. Auf einem der unteren Betten sitzt ein junger Mann mit rotem Hemd, grauer Strickjacke und schwarzem Vollbart, der eifrig in ein Heft schreibt. Wir kommen schnell miteinander ins Gespräch. Ed, so sein Name, ist ein Videokünstler aus New York, der für ein halbes Jahr nach Europa gekommen ist. Es ist sein erster Besuch auf diesem Kontinent. Er blättert in einem dicken Reiseführer. Welches sein nächstes Reiseziel sei, frage ich ihn. Vielleicht nach Luzern oder St. Moritz oder vielleicht ändere er seine Pläne auch wieder, meint Ed. Er war heute Ski fahren und es hat ihm gut gefallen. Draußen im Gang hört man das Rauschen einer Dusche, eine Frau lacht. Eine weitere Tür im Zimmer führt zu einem Lavabo und einer Toilette. Früher wurde das Gebäude als Altersheim genutzt. Das merkt man daran, dass neben meinem Bett auf der Höhe das Nachtischlampe ein Klingelknopf angebracht ist, darüber die Zeichnung einer Krankenschwester. Ein weiterer junger Mann kommt in den Raum. Braun-blondes Haar, schmächtiger Körperbau. Vincent wohnt in Luxemburg und ist für das Wochenende extra zum Skifahren mit seinen Freunden angereist. Eigentlich wollten sie schon früher da sein, aber einer von ihnen hatte Probleme an der Grenze mit seinem Reisepass, wie er mir schildert. Vincent war schon mehrere Male hier im "Backpackers". Er will wissen, was ich so tue. Ich erzähle ihm von meiner Reportage, während er auf dem oberen Kajütenbett sitzt und irgend ein Mittel, ich vermute ein Massageöl, einschmiert.

Beim Rundgang durch das Haus suche ich die Küche. Ein Schild auf der Tür weist mir den Weg und dann stehe ich draußen auf einer Eisentreppe, die nach unten führt. Ich folge dem Weg, gehe einen Gang entlang und stehe schließlich in einer schmalen, langgezogenen Küche, in der es gerade nach Fondue richt. Drei Personen sind am Essen. Zurück im Gang bleibt mein Blick an einer Tafel hängen. Es ist eine Art Ideenbörse mit Vorschlägen. Bunte farbige Papierstreifen sind darauf aufgeklebt mit Sätzen wie: "Lerne einen Gast aus einem anderen Land kennen und lerne ein paar Wörter in seiner/ihrer Sprache" oder "Eislaufen im Eissportzentrum Bödeli - Eislaufen heißt übrigens auf Berndeutsch 'schlöfle'". Es ist Samstagabend und ich treffe in öffentlichen Räumen und Gängen kaum Gäste an. An diesem Abend haben sich 50 Personen eingemietet, Platz hätte es für 80 Leute. Mir fällt an den Wänden die vielen angeklebten Papiere auf, seien es Infoplakate mit touristischen Attraktionen, Veranstaltungsplakate oder Hinweise, die das Haus betreffen.
Ich finde einem Aufenthaltsraum mit zwei Computern, ausgerüstet mit Internetanschlüssen. An einem sitzt Leon aus Südafrika, er blickt auf, stellt sich kurz vor und starrt wieder angestrengt in den Bildschirm. Anstatt Briefe oder Postkarten werden E-Mails nach Hause gesandt. Das ist billiger und schneller. Die beiden Computer haben je einen Geldschlitz sowie ein kleines Kreditkartenlesegerät. Surfen kostet etwas, erfahre ich von Brigitte. Bei ihr kann man die benötigen Jetons erwerben. Ein Jeton kostet Fr. 2.50 und reicht für 10 Minuten. Wenn man sechs Jetons kauft, kostet es nur Fr. 10.-- statt Fr. 15.--. Sonderangebote, auf die Reisende achten. Es ist spät, und ich beschließe, schlafen zu gehen. Auf dem Stoffschlafsack, in dem ich mich zwänge, steht in Blockbuchstaben "Kaserne Bern 1976".

Ein kleines Buffet wird am nächsten Morgen im Speisesaal aufgebaut: Brot, Streichkäse, Konfitüre, Müsli, Cornflakes, Milch, Kaffee. Ich treffe mich mit David Bühler, 30, der zusammen mit seiner Frau Marianne die Leitung des "Backpackers" trägt, sowie Bruno Guntelach, 25, Chaplain des Hauses. Bruno, angestellt zu 50%, hat seine Arbeit im letzten Jahr, am 7. August, aufgenommen. Übersetzt lautet die Bezeichnung eigentlich "Kaplan", im "Backpackers" nennen sie ihn aber Jugendarbeiter. Seine Aufgabe ist es, bereit zu sein, wenn Gäste Gespräche wünschen. Doch seine Tätigkeit beinhaltet noch mehr. "Die Arbeit ist abwechslungsreich, ich kann vieles ausprobieren. Die Gäste schätzen es, wenn ich etwas mache," so Bruno, denn er organisiert auch Anlässe wie Brätel-, Film-, Themen- oder Gebetsabende sowie Ausflüge. Das "Backpackers" bietet außerdem einen Meditationsraum für seine Gäste an. Bruno spricht ruhig, wirkt gelassen. Er hat eine Jüngerschaftsschule besucht, wohnt nun im "Backpackers", ist EMK-Mitglied und gehört jetzt der Freien Evangelischen Gemeinde in Steffisburg an.

Am Nebentisch diskutieren zwei junge asiatische Frauen angeregt miteinander. An einem anderen Tisch sitzen zwei junge Männer mit Wollmützen auf dem Kopf tief gebeugt über den Tisch und löffeln schweigend ihre Cornflakes in sich hinein. Auf den Tischen liegen heute gelbe Flyers mit kleinen geistlichen Impulsen auf, darin der Hinweis, dass man bei der Rezeption den Weg zu einem Gottesdienst in einer methodistischen Gemeinde erfragen kann. David erzählt von seinen Erfahrungen und kommt beim Gespräch in Fahrt. Seine Begeisterung wird spürbar. Er gestikuliert beim Reden leicht mit den Händen und grüßt Gäste, die an unserem Tisch vorbeigehen. Doch die Arbeit zehrt auch an den Kräften. "Es ist ein anstrengender Job," meint er und ergänzt: "Zermürbend ist, dass man von den Leuten und sich viel fordern muss, wahnsinnig viel." Mit "Leuten" meint David die zehn Personen, die zusammen die 500 Stellenprozente ergeben und im "Backpackers" arbeiten. Die Kraftanstrengungen zahlen sich dafür aus. David stellt fest, dass die Anzahl der Übernachtungen ansteigt. "2/3 der Gäste reservieren im Voraus und davon 70% per Internet." Es falle auf, dass von den Gästen nur 15% Schweizer seien und davon auch nur wenige aus der EMK. "Es ist nicht so tragisch, wir haben ja Gäste aus der ganzen Welt. Aber wir würden uns freuen, wenn wir noch mehr Schweizer hätten," fügt David an. A propos Schweiz: Vor dem "Backpackers"-Gebäude wurde schon zwei Mal die Schweizer Fahne geklaut.

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