Kirche + Welt Internet Ausgabe

Kirche und Welt - Nr. 14/2001 Juli - 25.07.2001   Zurück zur Übersicht   Kirche und Welt abonnieren

Nach fast 32 Jahren bei der Evangelisch-methodistischen Kirche ist Zentralverwalter Peter Herzog per 30. Juni 2001 in Pension gegangen. Im Interview mit Kirche+Welt äussert er sich zu seiner Funktion, zu den Strukturen und zum Geld.

"Ich bin überzeugt, dass die Geberfreude anhält"

An der Jährlichen Konferenz 2001 dankte Kirchenvorstandspräsident Peter Binder (rechts) dem Zentralverwalter Peter Herzog (links) für seine langjährliche Arbeitvon Andy Schindler-Walch

Ich habe Dich als Zentralverwalter der EMK als sehr kompetent, persönlich aber in der kirchlichen Öffentlichkeit eher zurückhaltend erlebt. Wie siehst Du Dich selber?

Ich bin eher introvertiert und zurückhaltend. Ich ziehe es vor, mehr hinter den Kulissen zu arbeiten als mich zu exponieren.

Welche Bedeutung hatte für Dich die Funktion des Zentralverwalters?

Die Funktion des Zentralverwalters war mir am Anfang unbekannt, weil es diese 1969 in der Methodistenkirche noch nicht gegeben hatte. Ich wurde damals angefragt, ob ich das Amt des Konferezkassiers übernehmen wolle. Obschon ich eine gute Stelle in der Industrie inne hatte, habe ich diese Anfrage als Berufung empfunden und freudig zugesagt. Drei Jahre später erfolgte die administrative Zusammenlegung zwischen der Methodistenkirche und der Evangelischen Gemeinschaft und daraus ist die Funktion des Zentralverwalters entstanden.

Wenn Du heute noch einmal anfangen könntest, würdest Du etwas anders machen?

Nein. Sicher gab es Arbeiten, die man noch anders und effizienter hätte anpacken können. Aber rückblickend war es für mich im grossen und ganzen absolut in Ordnung.

Hast Du konkret ein Beispiel, was man hätte effizienter machen können?

Ich denke, unsere Kirche könnte ihren Auftrag noch wesentlich besser erfüllen, wenn sie nicht sehr oft gebremst würde durch die Kommissionen und die ganze Organisation. Die Struktur sollte straffer organisiert sein, ähnlich wie in einem Betrieb, also in der Hierarchie viel steiler nach oben als in die Breite . Es ist wohl nicht sehr sinnvoll, wenn sich immer wieder verschiedene Kommissionen mit dem gleichen „Geschäft“ befassen! Auch müssten den Fachkommissionen mehr Kompetenzen eingeräumt werden.

Empfindest Du die EMK also als überorganisiert?

Ja, das denke ich manchmal.

Sollte es dann eine flachere Organisationsstruktur geben?

Ja, und vor allem kürzere Entscheidungswege, bis etwas umgesetzt werden kann.

Ist die Administration und Verwaltung der EMK heute schwieriger als früher?

Ich denke nicht, dass es schwieriger ist. Es ist anders. Zum Beispiel die Entwicklung der EDV. In den drei letzten Jahrzehnten wurden nicht weniger als drei Systemänderungen in der Zentralverwaltung eingeführt. Durch die High Tech-Möglichkeiten, die man heute hat, wird mehr gefordert im Bereich von statistischen Auswertungen, die vor allem die Finanzen unserer Kirche betreffen.

An der Jährlichen Konferenz 2001 hast Du, anlässlich Deiner Verabschiedung, Gott gedankt, dass jeden Monat immer genügend Geld vorhanden war, um alle Rechnungen und Gehälter zu bezahlen. Hast Du nie Angst gehabt, es könnte zu wenig Geld da sein, um alles zu bezahlen?

Ich kam aus der Grossindustrie in die EMK-Verwaltung. Am Anfang setzte ich mir schon gewisse Fragezeichen, weil man jeweils im Herbst ein Millionenbudget für das nächste Jahr aufgestellt hatte, ohne Zusagen für diese Gelder zu haben. Bald aber habe ich realisiert, dass hier eine grössere Macht dahinter steht, die uns diese Gelder zur Verfügung stellt.

Du hattest jeden Tag mit Geld zu tun. Was ist Dein Verhältnis zur Geld?

Geld ist in dem Sinn eine grosse Herausforderung, wenn man haushalterisch damit umgehen muss, vor allem wenn es sich um Geld handelt, das von Mitgliedern und Freunden der EMK geschenkt wurde.

Was wünscht Du Deinem Nachfolger Daniel Burkhalter?

Ich wünsche ihm vor allem Gottes Segen. Auch, dass die Geberfreude, und davon bin ich überzeugt, der Mitglieder und Freunde weiter anhält, so dass er die finanziellen Verpflichtungen wird erfüllen können.

Du gehst nun in Pension. Was wirst Du jetzt tun?

Ich habe im Sinn, mich im Laufe der nächsten Zeit als freiwilliger Fahrer beim Roten Kreuz zu melden.

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