Kirche + Welt Internet Ausgabe

Kirche und Welt - Nr. 17/2001 August - 22.08.2001   Zurück zur Übersicht   Kirche und Welt abonnieren

Thomas Matter, 39, verheiratet mit Christa Matter-Bolli, Vater von vier Kindern, war acht Jahre Sekretär des EMK-Jugendwerks. Jetzt ist er wieder Pfarrer im Gemeindedienst. Im Interview mit Kirche+Welt zieht er ein persönliches Fazit.

"Die Jugendlichen und jungen Erwachsene wollen heute im Gottesdienst vorkommen"

Sunnebad - Zur Ruhe kommen









von Andy Schindler-Walch

Tom, was sagst Du zu der Aussage: "Der Jugendbund ist tot, wie lange lebt TAKANO"?

TAKANO wird sehr lange leben, weil es ein ganzheitliches Konzept ist, das nicht mehr, wie beim Jugendbund, auf eine Gruppe ausgerichtet ist, sondern es orientiert sich an Kindern und Jugendlichen aller Altersstufen. Der Kern von TAKANO ist, dass man weg kommt von sogenannten Gefässen oder Gruppen und dafür hin zu den Menschen, also zu den Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Wir konzentrieren uns auf fünf Altersstufen : 1-4 Jahre, 5-8.Jahre, 9-11 Jahre, Teenager und zum Schluss junge Erwachsene. Wir beobachten was kurzfristig dran und nötig ist und gründen Gruppen; lassen solche Gruppen aber auch wieder eingehen. Damit meine ich nicht das, was wir noch erlebt haben, dass man über Jahrzehnte das Gefäss Jugendbund aufrecht erhielt. Es kann zum Beispiel bedeuten, dass es unter TAKANO auch einen Jugendbund gibt, aber dieser lebt dann vielleicht nur zwei Jahre, dann macht man etwas anderes. So muss sich ein Geistlicher Dienst dann nicht die Frage stellen, was man unternehmen muss, um den Jugendbund am Leben zu erhalten, sondern was unsere jungen Erwachsenen nötig haben. Und dies kann dann eine ganz andere Art von Gruppe sein. Das ist ein wichtiger Richtungswechsel.

Jugenbund, Dynams Link, TAKANO. Dieses Entwicklung ist Schlag auf Schlag erfolgt. Kann dies in den EMK-Gemeinden so schnell nachvollzogen werden?

Ich denke ja, weil der Unterschied zwischen Dynamis Link und TAKANO nicht so gross ist. Dynamis Link ist herausgewachsen aus der Arbeit mit dem Jugenbund, d.h. diese Arbeit konzentrierte sich vor allem auf Teenager und junge Erwachsene. TAKANO hat sich mit der gleichen Idee, die Dynamis Link hatte, nun auch auf die Kinder ausgedehnt. Es ist uns darum auch nicht schwer gefallen, Dynamis Link sterben zu lassen weil unsere Ideen und die Art, wie wir arbeiten wollen, in TAKANO voll und ganz aufgegangen sind. Wir möchten damit auch aufzeigen, dass wir keine Sesselkleber sind und uns einer guten Entwicklung nicht verschliessen.

Was sucht der Jugendliche von heute?

Er möchte in erster Linie ernst genommen werden. Seine Fragen müssen, wenn er in einer Gemeinde ist, aufgenommen werden und er sollte sich einbringen können. Dabei sollte das Wunder immer wieder passieren, dass er Jesus Christus begegnen und mit ihm Erfahrungen machen kann.

Wie können Menschen in den Gemeinden dazu beitragen, dass Jugendliche diese Erfahrungen machen können?

Ich denke, dass TAKANO diesen Weg weist. Wir müssen in den Gemeinden lernen, dass wir von unserer Art seriell zu arbeiten wegkommen. Nicht einmal einen Familiengottesdienst machen, dann folgen wieder zehn traditionelle Gottesdienste, dann wieder ein besonderer Gottesdienst usw..Gehen wir weiter zu einem parallelen System., wie es TAKANO vorschlägt. Die Gemeinden sollten versuchen ihren Dienst zu erweitern und zum Beispiel eine zweite Gottesdienstlinie neben der klassischen Linie aufzubauen, wo man viel besser auf die Kultur der neuen Generation Rücksicht nehmen könnte.

Du warst acht Jahre Jugendsekretär. Wenn du noch einmal anfangen könntest, was würdest du anders machen?

Ich würde heute neben der klassischen EMK Gemeinde parallel einen Gottesdienst für junge Erwachsene im Mittelland gründen.

Was ist nun Dein Fazit als Jugendsekretär nach all diesen Jahren?

Mein Fazit ist, dass ich am Anfang daran geglaubt habe, man könne mit einer starken Jugendarbeit die Jugendlichen dafür interessieren, sich einer Erwachsenengemeinde anzuschliessen. Heute muss ich sagen, dass es nicht mehr reicht, eine starke Jugendarbeit zu haben. Mir hatte der Jugendbund als Alternative genügt, aber dies ist heute nicht mehr so. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen wollen heute im Gottesdienst vorkommen. Und in der EMK ist der Gottesdienst eine der zentralsten Veranstaltungen. Wenn sie dort nicht vorkommen, entscheiden sie sich für einen anderen Gottesdienst und eine andere Gemeinde, was auch legitim ist. Und darum finde ich zum Beispiel International Christian Fellowship eine gute Alternative, die kleine Gemeinden in ihr Unterweisungskonzept einbeziehen könnten.

Eine reine Jugendarbeit oder eine Jugendgruppe reicht also heute nicht mehr. Die Jugendlichen müssen im Gottesdienst vorkommen.

Genau. TAKANO ist ja wie ein Netz aufgebaut, bei dem es in jeder Alterstufe möglich ist, einen Gottesdienst anzubieten, der passend ist. Wenn man also mit jungen Erwachsenen arbeiten will, ist es wohl der einzige Weg, eine zweite Gottesdienstlinie aufzubauen. Nicht als Ergänzung, sondern als eigenständige, gleichwertige Linie. Es ist klar, dass dies nur grössere Gemeinden tun können, doch diese sollten die Chance nutzen. Denn dann haben sie auch ihren Dienst erweitert. Kleine Gemeinden müssen darauf schauen, dass sie sicher die ersten drei Stufen des Takano Konzeptes abdecken können. Sie können darauf hoffen, dass sich die Jugendlichen, wenn sie einmal selber eine Familie haben, an die Gemeinde zurückerinnern, in der sie sich einmal wie zu Hause fühlten.

Besten Dank für das Gespräch.

Thomas Matter im Büro

Links:

Jungschar der EMK in der Schweiz

Alles rund um Jugendgottesdienste

International Christian Fellowship



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